Mütterliches Erfolgsrezept: Freunde und Gene - wissenschaft.de
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Mütterliches Erfolgsrezept: Freunde und Gene

Für Delfinmütter zahlt es sich besonders aus, neben guten Genen auch viele Freundinnen zu haben: Zwar steigert auch jeder Faktor für sich den Fortpflanzungserfolg, in Kombination ergibt sich jedoch ein Effekt, der größer ist als die Summe der Teile. Das schließt ein internationales Forscherteam aus Daten über eine freilebende Delfinpopulation, die seit über 25 Jahren intensiv beobachtet wird. Die Fülle an Informationen über die Verwandtschaftsverhältnisse einerseits und die sozialen Gewohnheiten der Tiere andererseits habe erstmals ermöglicht, den Einfluss von genetischer Veranlagung und Sozialstruktur auf den Fortpflanzungserfolg gemeinsam zu untersuchen, erläutern die Forscher.

Seit 1984 beobachten Wissenschaftler in der Shark Bay vor der Westküste Australiens die dort lebenden Delfine. Seit etwa zehn Jahren werden zudem regelmäßig DNA-Proben genommen, um die Verwandtschaftsverhältnisse der Tiere klären zu können. Die Meeressäuger haben eine sehr komplexe Sozialstruktur, in der sich immer wieder neue kleine Gruppen bilden und auflösen. In der aktuellen Studie wollten die Biologen nun klären, ob die Gruppenstruktur beziehungsweise die bevorzugten Gefährten eines Weibchens einen Einfluss darauf haben, wie erfolgreich es sich fortpflanzt, oder ob dabei lediglich genetische Faktoren eine Rolle spielen. Frühere Untersuchungen dazu hatten laut den Wissenschaftlern widersprüchliche Ergebnisse geliefert – mal fand sich lediglich ein Einfluss der Sozialstruktur, mal überwog die genetische Komponente.

Für die Auswertung konzentrierten sich Celine Frère und ihre Kollegen nun auf die Daten von 52 Delfinweibchen. Entscheidend für deren Fortpflanzungserfolg war, wie viele Jungtiere sie jeweils bis zum Alter von drei Jahren durchgebracht hatten, ein Zeitpunkt, bis zu dem das Überleben der Jungen nahezu vollständig von der Mutter abhängt. Die Forscher entwickelten dabei ein komplexes Berechnungssystem, um die verschiedenen Einflüsse trennen zu können. Das Ergebnis: Am häufigsten brachten die Weibchen ihre Jungen durch, wenn sie sowohl weibliche Verwandte als auch Gefährtinnen hatten, die ihrerseits gute Mütter waren. Auch jeder Faktor für sich verbesserte die Überlebenschancen des Nachwuchses, allerdings nicht im gleichen Maße.

Offenbar gibt es demnach bei einer Kombination einen Verstärkungseffekt, erläutern die Biologen. Auf der einen Seite prägen die Gene Körperbau, Immunsystem oder kognitive Fähigkeiten, die alle entscheidend für den Erfolg als Mutter sein können. Andererseits helfen erfahrene Gefährtinnen, zu lernen, wie die Jungtiere versorgt und beschützt werden können. Erst beides zusammen bietet dann die optimalen Bedingungen für die Aufzucht der Kleinen, so die Forscher.

Das Zusammenschließen in der Gruppe könnte zudem noch weitere Vorteile bieten, spekulieren die Wissenschaftler. „Delfine in dieser Population werden von Haien attackiert, so dass der Schutz durch andere Weibchen möglicherweise ebenfalls bei der Fortpflanzung hilft“, sagt Frère. Schließlich sei es effektiver, wenn mehrere Mütter mehrere Jungtiere verteidigten als wenn jede alleine mit einem Angreifer fertigwerden müsse.

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Celine Frère (University of New South Wales, Sydney) et al.: PNAS, doi: 10.1073/pnas.1007997107 dapd/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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