Munterer Partnertausch beim Marienkäfer - wissenschaft.de
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Munterer Partnertausch beim Marienkäfer

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Zwei Marienkäfer der Art Adalia bipunctata beim Geschlechtsakt.
Wegen ihrer promisken Lebensweise grassieren bei Marienkäfern Geschlechtskrankheiten. Über 90 Prozent der Tiere eines Bestands können infiziert sein ? dennoch sterben die Marienkäfer nicht aus. Das haben Forscher um Mary Webberley von der Universität von Westaustralien in Perth in einer Studie an zweigepunkteten Marienkäfern (Adalia bipunctata) in Polen herausgefunden.

Marienkäfer überwintern und fangen mit den steigenden Temperaturen im Frühjahr an, sich fleißig zu paaren. Alle zwei Tage wechseln die Käfer ihre Partner und gehören damit zu den paarungsfreudigsten Insekten. Beim Geschlechtsakt wird jedoch auch eine Milbe übertragen, die weibliche Marienkäfer unfruchtbar macht. Innerhalb von zwei Wochen erhöht sich die Befallsrate der Population von 20 auf 80 Prozent, fanden die Forscher heraus.

Allerdings werden Weibchen erst drei Wochen nach dem Befall unfruchtbar, und so bleibt noch Zeit zur Eiablage, bevor zu Spitzenzeiten über 90 Prozent der überwinterten Generation unfruchtbar wird. Gerade wenn die Population vor dem Aus steht, wächst die nächste Generation heran: Sie braucht vom Ei-Stadium bis zur Geschlechtsreife fünf Wochen und paart sich dann ebenfalls wieder mit befallenen Marienkäfern der Elterngeneration. Der Nachschub an unbefallenen Weibchen sichert das Überleben der Population: So gewährt die zeitliche Verschiebung zwischen Milbenbefall und dem Heranwachsen der nächsten Generation trotz hoher Befallsrate das Bestehen der Marienkäfer.

Die nächste Generation paart sich dann weniger und weniger, weil die heißen Sommertemperaturen sie träge machen. So wird auch die Milbe weniger übertragen und die Population, die bis zum nächsten Jahr überwintert, weist nur eine Befallsrate von 20 bis 30 Prozent auf. Im Frühjahr wiederholt sich dann der Zyklus von Paarung und Milbenbefall. „Das System ist im Gleichgewicht, aber nur so gerade“, sagt Webberley. Ihr Kollege Rob Knell von der Queen Mary Universität in London befürchtet gar, dass Klimaveränderungen es aus der Balance bringen könnten.

Mary Webberley ( Universität von Westaustralien in Perth) et al.: Journal of Animal Ecology (Online-Vorabveröffentlichung, doi:10.1111/j.1365-2656.2005.01020.x) ddp/wissenschaft.de ? Christina Schallenberg
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