Musik macht schneller betrunken - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Gesellschaft+Psychologie Umwelt+Natur

Musik macht schneller betrunken

Die Musik in Kneipen hat Einfluss auf das Trinkverhalten der Gäste: Ist die Musik lauter als üblich, so trinken die Kneipenbesucher mehr Alkohol in kürzerer Zeit. Das hat der französische Psychologe Nicolas Guéguen von der Universität Bretagne-Sud in Lorient in einem Feldversuch gezeigt. Zusammen mit Kollegen beobachtete er dazu Gäste in verschiedenen Bars einer französischen Kleinstadt. Im Vorfeld hatten die Forscher dabei mit den Barbesitzern verabredet, Musik in unterschiedlichen Lautstärken zu spielen. Der Effekt auf die Gäste, die nichts von dem Experiment wussten, war eindeutig: Je lauter die Musik, desto schneller leerten sie die Gläser.

Der Einfluss von Musik auf den Alkoholkonsum beschäftigt Wissenschaftler schon seit längerem, berichtet Guéguen. So konnten Forscher in früheren Versuchen nachweisen, dass unterschiedliche Arten von Musik zu einem veränderten Trinkverhalten führen. Schnelle Musik beispielsweise verleitet Gäste dazu, ebenfalls schneller zu trinken. Welchen Einfluss die Lautstärke der Musik auf Barbesucher hat, war dagegen bislang nicht bekannt, erklärt der Psychologe.

Die Forscher wählten für ihre Tests ausschließlich männliche Biertrinker als Beobachtungsobjekte. Während des Versuchs ließen die Wissenschaftler entweder Musik in der moderaten Lautstärke von 72 Dezibel spielen, oder laute Musik mit 88 Dezibel. Die Unterschiede im Trinkverhalten waren deutlich: Während ein Gast bei leiser Musik durchschnittlich rund 15 Minuten für ein Bier benötigte, tranken die Besucher bei lauter Musik ihr Glas in weniger als 12 Minuten leer.

Guéguen sieht dafür zwei mögliche Erklärungen: Die laute Musik steigert entweder den allgemeinen Erregungszustand der Gäste, was zu der höheren Trinkgeschwindigkeit führt. Oder die Gäste trinken mehr, weil eine Unterhaltung bei hoher Lautstärke schwieriger wird. Anstatt mit ihren Nachbarn zu sprechen, greifen die Besucher also häufiger zum Glas, vermutet der Psychologe.

Seine Erkenntnisse will Guéguen dafür nutzen, Barbesitzer für den Zusammenhang zwischen Musik und Alkoholkonsum zu sensibilisieren. Die Besitzer sollten dazu angehalten werden, keine übermäßig laute Musik in ihren Etablissements zu spielen, um die Gäste von überhöhtem Alkoholkonsum abzuhalten.

Anzeige

Nicolas Guéguen (Universität Bretagne-Sud in Lorient) et al.: Alcoholism: Clinical & Experimental Research ddp/wissenschaft.de ? Markus Zens
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Ka|li|um|ni|trat  auch:  Ka|li|um|nit|rat  〈n. 11; unz.; Chem.〉 als Düngemittel u. zur Herstellung von Schießpulver verwendete Salpeterart; ... mehr

Strumpf|band|nat|ter  〈f. 21; Zool.〉 lebendgebärende, ungiftige Natter mit farbigen Längsstreifen: Thamnophis

Haupt|ach|se  〈[–ks–] f. 19; Math.〉 die größte Symmetrieachse eines Körpers, z. B. eines Ellipsoids, eines Kristalls

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige