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Mutter und Kind: Linke Seite bevorzugt

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Mütter halten ihr Kind meist mit dem Kopf auf ihrer linken Seite. (Foto: Mikolette/ iStock)
Die meisten Mütter halten ihre Kinder so im Arm, dass der Kopf des Kindes links liegt. Ähnlich ist es bei unseren engsten Verwandten, den Schimpansen und Gorillas. Jetzt zeigt sich: Auch bei Meeressäugern und sogar Flughunden bevorzugen Mutter-Kind-Paare diese Haltung. Das bestätigt, dass diese Vorliebe kein Zufall ist. Stattdessen hängt sie mit der Arbeitsteilung des Säugetiergehirns zusammen, wie Forscher erklären. In dieser Position kann die rechte Hirnhälfte subtile soziale Signale besonders gut verarbeiten.

Unser Gehirn erscheint nur auf den ersten Blick symmetrisch. Zwar ähneln sich die beiden Gehirnhälften äußerlich durchaus, doch in ihrer Funktion gibt es deutliche Unterschiede – es herrscht Arbeitsteilung. So sitzt das Sprachzentrum bei den meisten Menschen in der linken Hirnhälfte, sie übernimmt zudem die Hauptrolle beim logischen Denken, abstrakten Wissen und der Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen. Die rechte Hirnhälfte gilt dagegen als der Sitz der Kreativität und Intuition, aber auch als der Bereich, der hauptsächlich für die visuelle Verarbeitung zuständig ist. Hier sitzt auch das Zentrum für die Gesichtserkennung und das räumliche Sehen. Gleichzeitig übernimmt jede Gehirnhälfte jeweils die Steuerung von Bewegungen und Wahrnehmung der entgegengesetzten Körperhälfte. Eindrücke aus dem linken Teil unseres Gesichtsfelds werden beispielsweise von der rechten Hirnhälfte ausgewertet.

Typisch Primaten?

Diese Arbeitsteilung des Gehirns lässt sich nicht nur experimentell nachweisen, sie spiegelt sich auch in unserem Verhalten im Alltag wieder. So neigen viele von uns dazu, beim Spazierengehen mit einem Partner eine bestimmte Seite zu bevorzugen. Noch auffälliger sind solche Präferenzen bei Mutter-Kind-Paaren: Studien zeigen, dass die meisten Mütter ihre Kinder so im Arm halten, dass der Kopf des Kindes links liegt. Ähnliches gilt auch für Schimpansen und Gorillas. „Dieses linksseitige Halten des Kindes führt dazu, dass sowohl bei der Mutter als auch beim Kind die Sehreize von der rechten Hirnhälfte verarbeitet werden“, erklären Andrey Giljov von der Universität Sankt Petersburg und seine Kollegen. „Das sorgt für einen optimalen Fluss der Sinnesinformationen zwischen beiden.“ Subtile soziale Signale können so schneller und besser verarbeitet und erkannt werden.

Offen war bisher allerdings, ob diese Vorliebe für das linksseitige Halten und damit für eine Optimierung des sozialen Kontakts nur für Menschen und Menschenaffen typisch ist oder ob auch andere Säugetiere dieses Symptom der neuronalen Arbeitsteilung zeigen. Um das zu klären, haben Giljov und seine Kollegen nun Mutter-Kind-Paare aus zwei sehr unterschiedlichen Säugetierarten untersucht. Sie beobachteten das Verhalten von Müttern und Kindern des Pazifischen Walrosses (Odobenus rosmarus) in der sibirischen Tschuktensee und reisten nach Sri Lanka, um dort Mutter-Kind-Paare des Indischen Riesenflughunds (Pteropus giganteus) zu beobachten.

Links-Präferenz auch bei Walross und Flughund

Es zeigte sich: Sowohl die Meeressäuger als auch die Flughunde verhielten sich ganz ähnlich wie wir Menschen: Bei beiden Säugetierarten hielt die Mutter ihr Kind mit Vorliebe so, dass dessen Kopf nach links zeigte, wie die Forscher feststellten. „Wenn Walross-Mütter und ihre Kinder sich mit zugewandten Gesichtern im Wasser ausruhten, dann blieben sie häufiger und länger in der Position, in der beide jeweils links voneinander lagen“, berichten Giljov und seine Kollegen. Bei Flughunden zeigte sich diese Präferenz, wenn Mutter und Jungtiere Bauch an Bauch kopfüber hängend ausruhten. Ihre Beobachtungen belegen zudem, dass Kinder dabei auch selbst aktiv eine Position wählen, bei der sie ihre Mutter im linken Gesichtsfeld behalten.

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„Diese Ergebnisse demonstrieren, dass auch marine und nicht zu den Primaten gehörende Säugetiere diese Lateralisation beim Kontakt von Müttern und Kindern zeigen“, so die Forscher. „Diese Vorliebe für die linke Seite ist daher kein einzigartiges Merkmal der Primatenevolution und tritt in ganz verschiedenen Gruppen der Säugetiere auf.“ Den Grund für diese Präferenz sehen die Wissenschaftler in der dominanten Rolle der rechten Hirnhälfte bei der Verarbeitung sozialer Reize. „Die rechte Hirnhemisphäre spielt eine entscheidende Rolle bei einer ganzen Reihe von sozialen Aufgaben, angefangen von der Gesichts- und Emotionserkennung über die räumliche Koordination bis hin zum sozialen Lernen“, erklären Giljov und seine Kollegen. All diese Funktionen werden gefördert und optimiert, wenn Mutter und Kind einander im linken Gesichtsfeld behalten.

Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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