Nach Jahren wiedererkannt - wissenschaft.de
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Gesellschaft+Psychologie Umwelt+Natur

Nach Jahren wiedererkannt

Erinnern Sie sich noch an das Gesicht der Kellnerin, die sie bei dem Restaurantbesuch in der fremden Stadt vor fünf Jahren bedient hat? Nicht? Es gibt Menschen, die genau diese Fähigkeit besitzen: Sie vergessen Gesichter auch nach solch kurzen Begegnungen nicht und erkennen die jeweilige Person nach Jahren wieder. Auf die Verbreitung dieser außergewöhnlichen Fähigkeit haben nun amerikanische Psychologen hingewiesen. Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass es lediglich sogenannte Gesichtsblinde gibt, die sich Gesichter nicht merken können. Dass es auch am anderen Ende der Skala extreme Begabungen für die Gesichtserkennung gibt, sei bisher kaum bekannt gewesen, berichten die Forscher um Richard Russell von der Harvard-Universität in Cambridge.

Die Forscher untersuchten in ihrer Studie vier Probanden, die allesamt angaben, sich Gesichter extrem gut merken zu können. So berichtete eine der Probandinnen von eben einer solchen Begegnung mit einer Kellnerin, die sie Jahre zuvor in einer fremden Stadt bedient hatte. Die Fähigkeit zur Gesichtserkennung war bei den Probanden so stark ausgeprägt, dass sie die Gesichter selbst trotz einer anderen Haarfarbe oder auch nach Jahren noch wiedererkannten. In Labortests konnten die Wissenschaftler diese extreme Begabung der Probanden bestätigen.

Die Gesichtserkennung muss bei diesen Probanden etwas anders ablaufen als bei Normalbegabten, legten die Ergebnisse nahe: So zeigten sich diese Probanden sehr viel anfälliger auf den sogenannten Gesichts-Inversions-Effekt. Dabei funktioniert die Gesichtserkennung schlechter, wenn das Portrait des jeweiligen Menschen auf den Kopf gedreht wird. Insgesamt gesehen schnitten die Probanden im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung bei der Gesichtserkennung ungefähr so viel besser ab, wie Gesichtsblinde in Tests schlechter waren, erklären die Wissenschaftler.

Für die Probanden sei die Begabung einer extrem guten Gesichtserkennung nicht immer angenehm: So müssten sie sich immer wieder neu damit arrangieren, dass sie andere Menschen zwar erkennen, aber von diesen selbst häufig nicht erkannt werden. Um peinliche Situationen zu vermeiden und um nicht aufdringlich zu wirken, tun sie daher häufig so, als würden sie das Gegenüber nicht erkennen.

Richard Russell (Harvard-Universität, Cambridge) et al.: Psychonomic Bulletin & Review, Bd. 16, S. 252 ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald
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Wissenschaftslexikon

Stern|schne|cke  〈f. 19; Zool.〉 mariner Hinterkiemer ohne Schalen: Doridacea

Die von der Carstens-Stiftung ursprünglich einmal unter strategischen Gesichtspunkten initiierte Förderung der Präsenz der Homöopathie an den Münchner Universitäten hat viele Facetten. Da gibt es Ringvorlesungen und als Wissenschaft getarnte Werbung, aber durchaus auch, selten, ernsthafte, wenngleich diskussionsbedürftige Forschung.

Das homöopathische Behandlungsangebot in der Kinderheilkunde an der Haunerschen Kinderklinik hat auch überregional Aufmerksamkeit gefunden. In der klinischen Praxis vermutlich für die Kinder psychosozial häufig hilfreich, pharmakologisch dagegen absurd und in der pseudowissenschaftlichen Einhäusung „Homöopathie“ für ein Universitätsklinikum untragbar, zeichnet sich an der LMU eine Entwicklung ähnlich wie an der Uni Wien ab: Man wird sich, auch durch interne Diskussionen, der Unvereinbarkeit von CT und Bilsenkraut bewusst und zieht sich Schritt für Schritt, ungeachtet heftigen Protests sowohl gutmeinender Eltern als auch professioneller Lobbyisten, aus der Geschichte zurück – zumal die Carstens-Stiftung auch finanziell nichts mehr zu diesem friedlichen Miteinander von Vorgestern und Heute beiträgt.

Dazu ohne weitere Erläuterungen, weil selbsterklärend, vier Screenshots:
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Website http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Kinderklinik-und-Kinderpoliklinik-im-Dr-von-Haunerschen-Kinderspital/de/ambulanzen/homoeopathie/index.html am 6.4.2011, dokumentiert von webarchive.org


Website http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Kinderklinik-und-Kinderpoliklinik-im-Dr-von-Haunerschen-Kinderspital/de/ambulanzen/homoeopathie/index.html am 20.1.2018, dokumentiert von webarchive.org


Website http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Kinderklinik-und-Kinderpoliklinik-im-Dr-von-Haunerschen-Kinderspital/de/ambulanzen/homoeopathie/index.html am 6.6.2018, dokumentiert von webarchive.org


Website http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Kinderklinik-und-Kinderpoliklinik-im-Dr-von-Haunerschen-Kinderspital/de/ambulanzen/Integrative-Paediatrie/index.html, Screenshot vom 10.11.2019
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Ob die neuerliche Zuwendung der bayerischen Politik zur Homöopathie demnächst bei einem anderen Münchner Universitätsinstitut die Bilderserie von vorn beginnen lässt, wird sich zeigen. Ich neige nach wie vor zu einer dialektischen Interpretation dieser Entwicklung: Unsere Weltbilder werden immer wissenschaftlicher, das gebiert Gegenströmungen, mit mehr oder weniger guten Gründen, in mehr oder weniger guten Erscheinungsformen. Das gilt auch für die Medizin. Die Homöopathie ist keine gute Medizinkritik.

http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/11/10/homoeopathie-an-der-lmu-muenchen-seitenwechsel-in-chronologischer-reihenfolge/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=homoeopathie-an-der-lmu-muenchen-seitenwechsel-in-chronologischer-reihenfolge

Aus|te|nit  〈m. 1; Chem.〉 Eisenmischkristall, chem. Eisencarbid [nach dem Namen des engl. Forschers Robert Austen ... mehr

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