Nachgefragt Jan-Peter Frahm - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Nachgefragt Jan-Peter Frahm

Paradox: Obwohl Flechten und Moose Indikatoren für saubere Luft sind, findet man sie immer häufiger an stark befahrenen Straßen. Jan-Peter Frahm, Professor für Botanik an der Universität Bonn und Flechten-Experte, hat dieses Rätsel gelöst.

Was haben Sie beobachtet?

Zunächst haben wir die Rückkehr der Moose und Flechten damit erklärt, dass die Luft seit den Neunzigerjahren besser geworden ist. Doch dann stellten wir fest, dass es sich um Arten handelt, die sonst in stark landwirtschaftlich genutzten Gebieten vorkommen und bis dahin nicht in Städten gefunden wurden. Das hat uns schon sehr gewundert.

Wie erklären Sie sich das?

Im Gegensatz zu Blütenpflanzen nehmen Flechten und Moose aus der Atmosphäre Stickstoff auf, den sie zum Wachsen brauchen. Also haben wir nach gasförmigen Stickstoffverbindungen gesucht. Aus unseren Forschungen wussten wir, dass Stickoxide keinen wesentlichen Einfluss auf das Wachstum von Flechten und Moosen haben. So blieb nur Ammoniak (NH3) übrig. Die genaue Herkunft des Gases war uns jedoch nicht bekannt.

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Sie fanden die Quelle?

Ja, wir stellten bei den Abgasuntersuchungen des TÜV in Bonn fest, dass Ottomotoren mit Katalysatoren Ammoniak in erheblichen Mengen produzieren. Dies war selbst den TÜV-Ingenieuren neu.

Welche Folgen hat das Ammoniak für Mensch und Umwelt?

Für Menschen ist es in den gemessenen Konzentrationen unbedenklich. Bedenklich scheint aber, wenn Pflanzen, die früher nur an den Betoneinfassungen von Misthaufen wuchsen, auf einmal in den Städten vorkommen. Dort verdrängen sie natürlich empfindliche Arten.

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