Nachhaltige Muskelkraft - wissenschaft.de
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Nachhaltige Muskelkraft

US-Forscher haben einen Jungbrunnen für Muskeln gefunden, mit dem sich möglicherweise der typische Muskelschwund im Alter bekämpfen lässt: eine Transplantation von Muskelstammzellen. Zumindest bei Mäusen mit Muskelverletzungen hält ein solcher Eingriff den behandelten Muskel ein Leben lang jung und fit, konnten die Wissenschaftler zeigen. Denn die implantierten Zellen reparieren die Verletzung nicht nur innerhalb weniger Tage, der Eingriff verändert den gesamten Muskel auch dauerhaft und macht ihn gegen natürliche Alterungsprozesse immun. Zwar gebe es noch viele offene Fragen, die Ergebnisse machen jedoch bereits jetzt Hoffnung auf neue Behandlungsmethoden – nicht nur für den Muskelschwund im Alter, sondern auch für chronisch degenerative Muskelerkrankungen, schreiben die Wissenschaftler um Bradley Olwin von der University of Colorado in Boulder.

Die Forscher hatten drei Monate alten Mäusen Muskelstammzellen entnommen und sie gleichaltrigen Artgenossen implantiert, bei denen sie zuvor künstlich eine Muskelverletzung im Bein hervorgerufen hatten. Nach zwei Jahren untersuchten die Wissenschaftler die Muskeln und machten eine erstaunliche Entdeckung: Die Muskelzellen hatten nicht nur ihre Masse verdoppelt, sondern auch erheblich an Größe zugelegt und blieben zudem von den Alterungsprozessen im Muskel verschont. Noch haben die Wissenschaftler keine Vorstellung, welcher Mechanismus dem Jungbrunnen zugrunde liegt. Doch offenbar spielt die Umgebung, in die die Stammzellen geraten, eine entscheidende Rolle: Sie wirken nur verjüngend, wenn irgendwas in ihrem Umfeld nicht stimmt, die vorhandenen Zellen also beispielsweise verletzt sind. Werden sie hingegen in einen gesunden Muskel eingebettet, haben sie keinen Einfluss auf dessen Größe oder Funktion.

Die Ergebnisse machen Hoffnung auf neue Therapieansätze, etwa für degenerative Erkrankungen wie die Muskeldystrophie – eine Störung, bei der sich der Muskel buchstäblich selbst zerstört. Bisher seien mehrere aufwendige Eingriffe auf zellulärer Ebene notwendig, um die Muskelfasern nicht nur zu reparieren, sondern auch auf Dauer zu erhalten, so Studienleiter Olwin. Würde sich das neue Verfahren bewähren, könnte ein einziger Eingriff dieses Verfahren ersetzen. Zwar lasse sich bislang nicht sagen, ob der Ansatz überhaupt auf den Menschen übertragen werden kann. Das Forscherteam ist jedoch optimistisch und arbeitet bereits an den ersten Versuchen, Mäusen Muskelstammzellen vom Menschen zu implantieren. Wenn diese auf den Mäusemuskel genauso wirken wie die Mäusestammzellen, sei man bereits ein gutes Stück weiter, sagen die Wissenschaftler.

Bradley Olwin (University of Colorado, Boulder) et al.: Science Translational Medicine, Bd. 2, Artikel-Nr. 57ra83 dapd/wissenschaft.de ? Peggy Freede
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