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Nano-Fähren

Deutschen Forschern ist es gelungen, Krebsmedikamente direkt zu Hirntumoren zu schleusen: Sie haben winzige Kapseln erzeugt, die durch die Barrieren des Gehirns schlüpfen können, um dann den Anti-Krebs-Wirkstoff Mitoxantron direkt in unmittelbarer Nähe der Krebszellen freizusetzen. Untersuchungen an Mäusen dokumentieren bereits den Erfolg des Verfahrens: Hirntumore bei den Versuchstieren konnten effektiver bekämpft werden als durch die Gabe von Mitoxantron, das nicht in den Nano-Fähren steckte. Darüber hinaus traten bei den Mäusen dank der Verpackung des Wirkstoffs auch weniger Nebenwirkungen als mit dem Standardmedikament auf. Über ihre Ergebnisse berichteten die Forscher um Andrea Orthmann vom Max-Delbrück-Zentrum in Berlin auf einem internationalen Symposium verschiedener Krebsgesellschaften unter dem Motto „Molecular Targets and Cancer Therapeutics“, ebenfalls in Berlin.

Bei der Behandlung von Tumoren im Gehirn steht den verwendeten Wirkstoffen oft eine Barriere im Weg: die sogenannte Blut-Hirn-Schranke. Ein spezieller Zelltyp, die Endothelzellen in den Blutgefäßen des Gehirns, lassen nur wenige Substanzen aus dem Blutkreislauf in das Zentralnervensystem vordringen. So haben Fremdstoffe oder Keime keine Chance, Gehirn oder Rückenmark zu schädigen. Leider hemmt dieser wichtige Schutzmechanismus aber auch die Aufnahme viele Medikamente, die zur Behandlung von Tumoren im Gehirn benötigt würden.

Den Forschern ist es nun gelungen, den zytostatischen Wirkstoff Mitoxantron mit einer Art Haut aus fettartigen Lipiden zu umgeben. Diese Biomoleküle kommen beispielsweise als Bausteine in vielen Zellmembranen vor. Die entstandenen Kapseln kombinierten die Wissenschaftler dann mit dem Eiweiß Angiopep, das sich schon bei anderen Anwendungen als Passierschein durch die Blut-Hirn-Schranke bewährt hat: Es heftet sich an Schlüsselbestandteile der Barriere, die eine aktive Aufnahme einer Substanz anleiern können. Das Gesamtkonstrukt bezeichnen die Forscher als „Trojan Horse Liposome“ (THL). Es sei etwa 400-mal kleiner als ein menschliches Haar, erzählten sie.

In den Tierversuchen erreichten die Forscher mit ihren THLs eine um 45 Prozent stärkere Reduktion der Tumorgröße als mit dem unverpackten Wirkstoff. Auch die berüchtigten Nebenwirkungen des Medikaments, wie beispielsweise Gewichtsverlust, Hautprobleme oder Verdauungsstörungen, seien deutlich geringer gewesen, berichteten sie. Den Grund dafür sehen die Forscher in der Hülle aus Lipiden: Sie schützt den restlichen Körper vor dem Medikament – erst am Zielort entfaltet es seine Wirkung.

Es sei allerdings noch ein langer Weg, bis ein Medikament nach diesem System auf dem Markt sein wird, gaben die Wissenschaftler zu. Sie sind jedoch zuversichtlich: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Blut-Hirn-Schranke nicht für immer den Weg für Medikamente versperren wird“, sagte Andrea Orthmann.

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Andrea Orthmann (Max-Delbrück-Zentrum, Berlin) et al.: 22nd EORTC-NCI-AACR symposium on ?Molecular targets and Cancer Therapeutics? dapd/wissenschaft.de ? Martin Vieweg
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