Navigationssystem in der Nase - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Navigationssystem in der Nase

Brieftauben finden den Weg zurück zum Taubenschlag hauptsächlich mithilfe ihres Geruchssinns. Dazu konstruieren sie sich eine Duftlandkarte ihrer Umgebung. Das haben Forscher um Anna Gagliardo von der Universität Pisa gezeigt. Hinweise auf eine solche Orientierung anhand von Duftmarken hatte es zwar schon früher gegeben. Welche Rolle der Geruchssinn genau bei der Navigation der Tiere spielt, war jedoch bislang umstritten. Gagliardo und ihr Team konnten nun nachweisen, dass nicht wie angenommen das Magnetfeld der Erde die wichtigste Orientierungshilfe für die Vögel ist, sondern der Geruch der Luft.

Schon länger ist bekannt, dass sich Brieftauben auf ihren Reiserouten an drei Merkmalen ihrer Umgebung orientieren: dem Sonnenstand, der Richtung des Erdmagnetfeldes und Besonderheiten der Landschaft. Außerdem hatten Gagliardo und ihr Team bereits in einer früheren Studie Hinweise darauf gefunden, dass auch der Geruch der Luft wesentlich zur Navigationsfähigkeit der Tiere beiträgt. Um die Rolle des Geruchssinns genauer bestimmen zu können, durchtrennten die Forscher nun bei 24 Vögeln gezielt die Nervenbahnen für das Riechen und verglichen deren Orientierungsfähigkeit mit der von 24 Tieren, bei denen die Nerven für die Wahrnehmung von Magnetfeldern zerstört waren. Dann musste die Vögel, die sich zuvor noch nie außerhalb ihres Taubenschlags aufgehalten hatten, in einem Testflug eine Distanz von fünfzig Kilometern zurücklegen.

Das Ergebnis: Von den Tauben, die sich nur auf den Geruchssinn stützen konnten, fanden alle bis auf eine zurück. Von den 24 Tauben, die nur ihren Magnetsinn nutzen konnten, waren es hingegen nur vier. Diese vier brauchten für die Strecke allerdings deutlich länger als Tauben mit Geruchssinn. „Damit ist klar, dass die Tauben sich nicht anhand einer Magnetlandkarte beim Heimflug orientieren“, sagt Gagliardo gegenüber wissenschaft.de. Demnach nutzen die Tauben Sonnenstand und Magnetfeld wie einen Kompass, um die grobe Flugrichtung zu bestimmen, während sie für die genaue Position ihres Taubenschlags auf eine Duftlandkarte zurückgreifen.

Anna Gagliardo (Universität Pisa) et al.: Journal of Experimental Biology, Bd. 209, S. 2888 ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer
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