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Umwelt+Natur

Nektar kuriert Hummeln

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Eine Hummel trinkt Nektar an einer Schildblume. (Leif Richardson)
Für Hummeln und Bienen sind Blüten regelrechte Tankstellen, denn hier finden sie reichlich Kraftstoff. Doch der Nektar liefert ihnen möglicherweise mehr als nur Energie. Denn der süße Saft enthält auch Inhaltsstoffe, die den Insekten als Medizin dienen, wie US-Forscher herausfanden: Einige Substanzen im Nektar töten die Parasiten ab, die viele Hummeln in ihrem Darm tragen – und das offenbar ohne Nebenwirkungen. Der Nektar könnte daher sogar dazu beitragen, Hummelkolonien vor dem Kollaps zu bewahren, vermuten die Wissenschaftler.

Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe sind eine der wichtigsten Waffen der Pflanzen gegen Fressfeinde und Krankheitserreger. Denn diese chemischen Verbindungen sind für viele Organismen giftig. Auch wir Menschen machen uns diese Wirkung zunutze, indem wir beispielsweise ätherische Öle und Alkaloide in der Medizin einsetzen. Die meisten dieser sekundären Inhaltsstoffe finden sich in Blättern und Stängeln der Pflanzen, aber auch im Nektar sind sie enthalten. „Welchen Einfluss diese Nektar-Substanzen aber auf Bestäuber wie Hummeln und Bienen haben, darüber war bisher nur wenig bekannt“, erklären Leif Richardson vom Dartmouth College in Hannover und seine Kollegen. So gibt es zwar Hinwiese darauf, dass einige dieser Stoffe die Fortpflanzung der Bienen hemmen können. Ob sie hingegen auch eine Arzneiwirkung haben – indem sie Bienen beispielsweise gegen Parasiten schützen, haben die Forscher nun in Experimenten untersucht.

Für ihre Studie wählten sie acht häufige sekundäre Inhaltsstoffe von Nektar aus, darunter die Alkaloide Koffein, Nikotin und Anabasin, aber auch das Terpenoid Thymol und die Gallussäure. Von jeder dieser Substanzen mischten sie ein wenig in Schälchen mit Zuckerwasser. Diese Lösungen und auch Kontrollschälchen mit reinem Zuckerwasser dienten 539 Hummeln der in den USA häufigen Art Bombus impatiens eine Woche lang als Nahrung. Ein Teil dieser Hummeln war allerdings nicht ganz gesund: Die Forscher hatten die Tiere vor Beginn des Versuchs mit dem einzelligen Darmparasiten Chrithidia bombi infiziert. Nach sieben Tagen überprüften die Wissenschaftler, ob und wie viele Parasiten die Hummeln noch in sich trugen und auch, wie viele Insekten gestorben waren.

„Blüten-Arznei“ wirkt tatsächlich

Wie sich zeigte, hatten vier der acht sekundären Pflanzenstoffe tatsächlich eine positive Wirkung: Die Hummeln, die Anabasin, Nikotin, Thymol oder Catapol mit dem Zuckerwasser aufgenommen hatten, trugen weniger Parasiten in sich und waren sogar teilweise völlig parasitenfrei. „Diese natürlichen Substanzen senkten die Infektionsraten um bis zu 81 Prozent“, berichten die Forscher. Dieser Effekt könnte daher dazu beitragen, die gegenseitige Ansteckung der Hummeln im Nest deutlich herabzusetzen. Bei dem unter anderem in Tabak enthaltenen Alkaloid Anabasin war auch die Überlebensrate der Hummeln deutlich höher: Am Ende des Experiments lebten hier noch 70 Prozent der Tiere, statt nur 46 wie bei den Kontrollen.

Worauf diese Wirkung der sekundären Pflanzenstoffe beruht und wie sie der Hummel gegen ihre Parasiten helfen, ist allerdings noch nicht klar. Sie könnten entweder für den Parasiten direkt giftig sein, das Immunsystem der Hummeln stärken oder aber einen kritischen Reifungsprozess bei den Parasiten hemmen, erklären die Forscher. Hier sei weitere Forschungsarbeit nötig, um die genauen Mechanismen aufzuklären. Auch ob Honigbienen auf ähnliche Weise von dieser „Blütenarznei“ profitieren, muss noch geklärt werden.

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„Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass solche sekundären Pflanzenstoffe eine entscheidende Rolle für die Wechselwirkung von Hummeln und ihren Parasiten spielen könnten“, konstatiert Richardson. Angesichts der steigenden Besorgnis über den globalen Schwund von Bienen sei dies ein wichtiger Hinweis. Denn auch bei Honigbienen können Parasiten wie die Varroa-Milbe zum Kollaps ganzer Völker beitragen. Wenn Imker wissen, welche Pflanzenstoffe den Bienen gegen diese Plage helfen, dann könnten sie diese ihren Völkern gezielt anbieten. „Möglicherweise hat der Konsum dieser Stoffe mit dem Nektar ja auch vorbeugende Wirkung auf die Gesundheit von Bienenkolonien“, mutmaßen die Forscher.

Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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