Neue Pille soll Infarkt- und Schlaganfallrisiko um 80 Prozent reduzieren - wissenschaft.de
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Neue Pille soll Infarkt- und Schlaganfallrisiko um 80 Prozent reduzieren

Londoner Mediziner wollen allen Briten über 55 Jahren eine neue Tablette gegen Herz-Kreislauf-Beschwerden verabreichen. Die so genannte Polypille soll sechs Wirkstoffe zur Vorbeugung gegen Herzinfarkt und Schlaganfall enthalten und könnte nach Auffassung der Forscher jedes Jahr 200.000 ihrer Landsleute das Leben retten. Die Pille ist in spätestens fünf Jahren herstellungsreif und soll dann ausführlich getestet werden, berichten die Wissenschaftler im British Medical Journal (Ausg. 326, S. 1423).

Ihre Behauptungen stützen Nicholas Wald und seine Kollegen vom renommierten Wolfson-Insitut für vorbeugende Medizin auf über 750 klinische Tests mit den sechs ins Auge gefassten Wirkstoffen. Aus den Ergebnissen der Untersuchungen schließen die Forscher, dass eine Kombination der Substanzen das individuelle Herz-Kreislauf-Risiko um 80 Prozent reduzieren würde.

Zu den Wirkstoffen gehören Aspirin, Folsäure, ein Blutfett-senkendes Mittel und drei Substanzen gegen Bluthochdruck. In der Polypille sollen nur geringe Dosen der Substanzen enthalten sein, weshalb die Forscher nur mit wenigen Nebenwirkungen rechnen. Da in den westlichen Ländern etwa jeder Zweite in seinem Leben Herz-Kreislauf-Probleme bekommt, sei eine flächendeckende Verteilung der Tabletten gerechtfertigt, erklärt Wald.

Die Polypille darf aber kein Freischein für ein ungesundes Leben werden, warnt Charles George von der Britischen Herzstiftung. Die Gefahren von Fettleibigkeit, wenig Bewegung und Rauchen dürften nicht vernachlässigt werden. Außerdem muss die Polypille ausführlich getestet werden, um ihre tatsächliche Wirksamkeit und auftauchende Nebenwirkungen einschätzen zu können.

ddp/bdw – Andreas Wawrzinek
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