Überraschender Neuzugang "Neue" Schlangenart in Europa entdeckt - wissenschaft.de
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Überraschender Neuzugang

„Neue“ Schlangenart in Europa entdeckt

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Willkommen im Club: Die Iberische Ringelnatter. (Bild: Wolfgang Böhme)
Die wenigen europäischen Schlangenarten sind bis ins Detail erforscht, könnte man meinen – doch einer Studie zufolge versteckte sich unter ihnen offenbar noch eine bislang unentdeckte Art: die Iberische Ringelnatter.

Bisher galten die Ringelnattern, die in Spanien bis in den Süden Frankreichs hinein vorkommen, nur als eine Unterart der weit verbreiteten eurasiatischen Ringelnatter (Natrix natrix). Doch anatomische sowie genetische Untersuchungen eines internationalen Forscherteams haben nun gezeigt, dass sich diese Tiere klar voneinander unterscheiden und sich offenbar auch kaum miteinander vermischen. Uwe Fritz von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen in Dresden und seinen Kollegen zufolge ist Europa damit nun um eine weitere Schlangenart reicher: Das neue Mitglied im Club der Schlangen ist die Iberische Ringelnatter (Natrix astreptophora).

Anatomische und genetische Merkmale unter der Lupe

Die in Deutschland verbreiteten Vertreterinnen der Ringelnatter sind an ihrem charakteristischen hell-gelblichen Halsring gut zu erkennen. Die harmlosen, bis zu 150 Zentimeter langen Reptilien machen in vielen naturnahen Lebensräumen Jagd auf Amphibien und Kleintiere. Bislang ging man davon aus, dass es sich bei der leicht unterschiedlich aussehenden Vertreterin der Iberischen Halbinsel nur um eine Unterart von N. natrix handelt. Als Unterarten werden in der Biologie Gruppen einer Art bezeichnet, die sich in bestimmten Merkmalen leicht voneinander unterscheiden. Den Forschern zufolge trifft diese Definition im Fall der Iberischen Ringelnatter aber nicht zu.

Die Wissenschaftler haben im Rahmen ihre Studie die Merkmale von mehr als 300 Schlangen der iberischen Population mit unterschiedlichen Methoden untersucht und sie mit Ergebnissen bei den anderen Ringelnattern Europas verglichen. Dabei kamen auch genetische Verfahren zum Einsatz: „Wir haben die externe Morphologie, wie beispielsweise die Zahl der Schuppen, mit Eigenschaften des Knochenbaus und genetischen Merkmalen verknüpft und konnten anhand dessen zeigen, dass die Iberische Ringelnatter – Natrix astreptophora – eine eigene Art ist“, erklärt Fritz. Seine Kollegin Carolin Kindler vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn ergänzt: „Europas Wirbeltiere gelten als gut erforscht – da ist die Entdeckung einer neuen Art schon etwas ganz Besonderes“.

Sie vermischen sich auch kaum

Die Untersuchungen belegten außerdem, dass die neu entdeckte Art ihren Lebensraum nicht mit der „normalen“ Ringelnatter-Art N. natrix und deren Unterarten teilt: N. astreptophora kommt demnach nur in der nordafrikanischen Maghreb-Region, auf der Iberischen Halbinsel und im Süden Frankreichs vor. Kindler erläutert dazu: „Die beiden Arten treffen nur in Südfrankreich nahe der Pyrenäen aufeinander.“ Dennoch wurden in diesem Gebiet fast keine Hybride der Arten gefunden – „ein weiterer Beleg, dass es sich bei N. astreptophora um eine eigene Art handelt“, ergänzt Fritz.

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Den Forschern zufolge sind die Iberischen Ringelnattern vom Wasser wesentlich unabhängiger als ihre Schwestern aus den anderen Teilen Europas. „Zu wissen, mit welcher Art wir es zu tun haben, hilft uns ihre Gefährdung besser einzuschätzen und rechtzeitig Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Dies ist umso wichtiger, weil die Iberische Ringelnatter andere Lebensräume bevorzugt“, sagt Kindler.

Quelle: Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

© natur.de – Martin Vieweg
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