Neue Taktik gegen Bakterien: Erst Feind schwächen und dann angreifen - wissenschaft.de
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Neue Taktik gegen Bakterien: Erst Feind schwächen und dann angreifen

Eine Gruppe körpereigener Substanzen kann die Wirkung von Antibiotika um das hundert- bis tausendfache verstärken. Die so genannten Lysophosphatidylsäuren, die an der Entzündungsreaktion im Körper beteiligt sind, schwächen die Zellwand von Bakterien. Antibiotika in Kombination mit einer Gabe solcher Stoffe könnten sehr viel effektiver gegen Bakterien wirken, haben amerikanische Forscher entdeckt. Das teilt die Universität von Rhode Island in Kingston mit.

Lysophosphatidylsäure wirkt sowohl bei so genannten Gram-negativen als auch bei Gram-positiven Bakterien, berichtet Studienleiter Paul Cohen. Diese beiden Gruppen von Bakterien unterscheiden sich durch die Beschaffenheit ihrer Zellwand. Bei den Gram-negativen Erregern verändert Lysophosphatidylsäure die Zellwand so stark, dass zum Teil nur noch ein Tausendstel der normalen Antibiotikamenge ausreicht, um die Bakterien zu töten. Bei Gram-positiven Bakterien ist die Wirkung noch dramatischer: Die Substanz tötet diese Erreger, ohne dass ein zusätzliches Antibiotikum erforderlich ist.

In der Kombination mit Lysophosphatidylsäure könnten ältere Antibiotika, gegen die sich bei vielen Bakterienstämmen bereits Resistenzen gebildet haben, wieder wirksam werden, hoffen die Forscher. Außerdem könne die Dosierung von Antibiotika insgesamt deutlich eingeschränkt und so die Bildung weiterer resistenter Bakterien verlangsamt werden.

Die Substanz kann laut Cohen auf verschiedene Art und Weise verabreicht werden. So sei es beispielsweise denkbar, sie Inhalationssprays beizufügen und so bakterielle Atemwegsentzündungen zu bekämpfen. Doch auch die direkte Anwendung in einer Creme, beispielsweise gegen Akne, sei möglich. Da es sich bei der Lysophosphatidylsäure um ein körpereigenes Molekül handele, seien außerdem keine allergischen Reaktionen zu befürchten.

ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel
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