Neues vom exotischen Liebesleben der Kärpflinge - wissenschaft.de
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Neues vom exotischen Liebesleben der Kärpflinge

Weibliche Breitflossenkärpflinge halten bei der Partnerwahl nicht viel von Konsequenz: Beobachten die kleinen Fische nämlich, dass ein Männchen von anderen Damen begehrt wird, lassen sie ihren aktuellen Favoriten stehen und umschmeicheln den anderen ? selbst wenn sie ihn vorher als unattraktiv verschmäht haben. Je attraktiver die Vorgängerin dabei ist, desto höher steigt das betreffende Männchen auch in der Gunst der anderen Weibchen.

Eigentlich haben weibliche Breitflossenkärpflinge (Poecilia latipinna) eindeutige Vorlieben bei Männchen ? und die lauten schlicht: je größer, desto besser. Problematisch wird es jedoch, wenn zwei Männchen etwa gleich groß sind und sich die Weibchen nicht so einfach entscheiden können. In einem solchen Fall wählen die Damen dann bevorzugt Männchen, die auch bei anderen Weibchen ankommen, getreu dem Motto „an dem muss was dran sein“. Ob dabei die Attraktivität der vorherigen Partnerinnen eine Rolle spielt, war allerdings bislang unklar.

Um das zu überprüfen, beobachteten die amerikanischen Biologen Sarah Hill und Michael Ryan insgesamt 48 männliche und 26 weibliche Kärpflinge. Sie setzten jeweils ein Weibchen in die Mitte eines Aquariums, in dem abgetrennt durch Plexiglasscheiben auf jeder Seite ein Männchen schwamm. Im ersten Teil des Tests bestimmten die Forscher, für welches der Männchen sich das Weibchen entschied. Anschließend bekam jedes der Männchen zusätzliche weibliche Gesellschaft, wobei beide vom Testweibchen beobachtet wurden. Einer der männlichen Kärpflinge musste sich dabei mit einem Weibchen einer anderen Art begnügen, während der andere mit einem Prachtexemplar der eigenen Art zusammengebracht wurde. Nach einer gewissen Zeit entfernten die Wissenschaftler die zusätzlichen Weibchen und beobachteten erneut, welchem Männchen das Testweibchen seine Gunst schenkte.

Das Ergebnis war eindeutig: Das Männchen, das Kontakt mit dem fremden Weibchen gehabt hatte, sank deutlich in der Wertschätzung des Testweibchens, auch wenn es sich dabei vorher um den Favoriten gehandelt hatte. Dagegen machte die kurze Beziehung mit dem anderen Weibchen der gleichen Art das Männchen deutlich begehrenswerter als zuvor. Den Weibchen dient die Attraktivität des Konkurrenzweibchens wohl als Maßstab dafür, wie gut die Gene des Männchens sind, vermuten die Forscher ? schließlich ist es ja auch unwahrscheinlich, dass sich ein Weibchen mit vielen Qualitäten mit einem Männchen abgibt, das nichts zu bieten hat.

Sarah Hill, Michael Ryan (Universität von Texas, Austin): Biology Letters, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rsbl.2005.0423 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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