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Neuguinea hat die größte Pflanzenvielfalt weltweit

Neuguinea
Blick auf Wald und Berge in Neuguinea. (Bild: Zacky Ezedin)

Nicht zu übertreffen: Neuguinea ist die Insel mit der weltweit größten Pflanzenvielfalt. Ein internationales Team hat dort fast 14.000 verschiedene Pflanzenarten nachgewiesen – das ist 20 Prozent mehr als beispielsweise auf Madagaskar. Zudem kommen auf Neuguinea besonders viele endemische, nur dort wachsende Pflanzen vor, wie die Forscher berichten. Sie vermuten aber, dass ihre Bilanz noch lange nicht vollständig ist.

Neuguinea ist mit einer Fläche von 786.000 Quadratkilometern etwa zwanzig Mal so groß wie die Schweiz – und gilt damit als größte Tropeninsel weltweit. Die Vielfalt ihrer Ökosysteme reicht vom Tiefland-Dschungel bis zum hochgelegenen Grasland und sorgt für weitere Rekorde: Neuguinea besitzt den größten Tropenwald Australasiens, die reichhaltigsten Korallenriffe der Welt und die reichste Biodiversität außerhalb des Amazonas. Obwohl der Westteil der Insel noch nicht vollständig untersucht ist, wissen Botaniker schon lange, dass die Wildnis Neuguineas viele Pflanzenarten birgt. Sie sammelten dort schon seit dem 17. Jahrhundert Tausende von Pflanzen, benannten und archivierten sie.

Rekordtitel für Neuguinea

Das haben sich nun heutige Forscher zu Nutze gemacht: Ein Team von 99 Wissenschaftlern aus 19 verschiedenen Ländern hat erstmals eine Bestandsaufnahme aller Gefäßpflanzen auf Neuguinea durchgeführt. Dafür werteten die Botaniker um Rodrigo Cámara-Leret von der Universität Zürich die in Online-Katalogen und anderen Datensammlungen aufgeführten Pflanzenbeschreibungen und -namen aus. Experten für die Flora Neuguineas prüften daraufhin die 25.000 Artennamen, die sich aus 700.000 einzelnen Pflanzenexemplaren ergaben. Hierfür wurden die ursprünglichen Namenslisten der jeweiligen Pflanzenfamilien mit den Bezeichnungen auf den Online-Plattformen verglichen.

Die Auswertungen ergaben eine Liste von 13.634 Pflanzenarten, die auf Neuguinea vorkommen. Damit ist Neuguineas Inselflora um etwa 20 Prozent reicher als die von Inseln wie Madagaskar oder Borneo, wie die Forscher berichten. Sie holt sich damit den Titel als Insel mit der weltweit größten Pflanzenvielfalt. Die weitaus artenreichste Familie sind die Orchideen, sie machen rund 20 Prozent der Spezies aus. Fast ein Drittel der Liste sind Bäume. Besonders bemerkenswert sei, dass 68 Prozent der Pflanzen endemisch sind – sie sind ausschließlich auf der Insel heimisch. „Ein derart hoher endemischer Artenreichtum ist im tropischen Asien unübertroffen“, sagt Cámara-Leret.

Hilfe für künftige Erhebungen

Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte die neue Checkliste die Genauigkeit biogeografischer und ökologischer Studien stark verbessern. Zudem ließe sich damit die DNA-Sequenzierung auf artenreiche, stark endemische Gruppen fokussieren und auch die Entdeckung weiterer Arten erleichtern. So liegen in den Sammlungen tausende von nicht identifizierten Exemplaren und auch im Freiland gibt es noch unbekannte Arten zu entdecken. „Wir schätzen, dass in den nächsten fünfzig Jahren 3.000 bis 4.000 Arten hinzukommen werden“, sagt Co-Autor Michael Kessler von den Royal Botanic Gardens in Kew.

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Die Herausforderung werde sein, diese reiche Inselflora auch in Zukunft zu erhalten. „Damit tragen die beiden Staaten Indonesien und Papua-Neuguinea, zu denen die Insel Neuguinea gehört, große Verantwortung für das Überleben dieser unersetzlichen Artenvielfalt“, so Cámara-Leret. Aber auch die Hilfe internationaler Initiativen sei notwendig. Die Forschung an Orten wie Neuguinea soll den Schutz endemischer Arten und die Entdeckung neuer Pflanzenarten erleichtern. Wichtig sei die Arbeit auch, um die Auswirkungen von Klimawandel und Landnutzung besser einschätzen zu können.

Quelle: Universität Zürich, Royal Botanic Gardens; Fachartikel: Nature, doi: 10.1038/s41586-020-2549-5

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