Nicht Jäger, sondern Gejagte - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Nicht Jäger, sondern Gejagte

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Piranhas bilden Schwärme, um sich vor Feinden zu schützen und nicht um gemeinsam auf die Jagd zu gehen. Foto:
Piranhas bilden Schwärme nicht, um andere Tiere zu jagen, sondern um sich selbst vor Feinden zu schützen. Entsprechend schwimmen in den Schwärmen die größeren, erfahreneren Fische in der Mitte. Das schließen Anne Magurran von der Universität von St. Andrews in Schottland und Helder Queiroz vom Mamirauá-Institut in Brasilien aus Beobachtungen der Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum im Amazonas.

Entgegen der weit verbreiteten Meinung sind Piranhas keine aggressiven Raubfische, sondern Allesfresser, die sich hauptsächlich von Aas, Insekten und Pflanzen ernähren. Da sie von vielen großen Raubtieren wie Flussdelfinen, Kaimanen und den bis zu drei Meter langen Piracucu-Fischen bedroht werden, bilden die Piranhas unterschiedlich große Schwärme. Die Größe des Schwarms hängt dabei vom Gesamtrisiko ab, dem die Fische ausgesetzt sind. Dieses Risiko wird von der Art der Räuber sowie vom zur Verfügung stehenden Platz bestimmt. Bei Hochwasser bilden die Piranhas kleine Schwärme, da sie mehr Platz haben, um Raubtieren auszuweichen. Bei einem niedrigen Wasserstand werden die Schwärme hingegen größer. Der Wasserstand ändert sich in Abhängigkeit von Regenfällen sowie dem Schmelzwasser aus den Anden um bis zu zwölf Meter während eines Jahres.

Obwohl es eine immer wieder zu beobachtende bestimmte Struktur innerhalb eines Schwarmes gibt, besteht ein Schwarm nicht ständig aus denselben Fischen. Auch gibt es keinen „Anführer“ oder eine Zusammenarbeit innerhalb des Schwarmes. Die einzelnen Piranhas achten eher auf sich selbst als auf andere Artgenossen. Ausgewachsene, geschlechtsreife Fische schwimmen dabei in der Mitte des Schwarmes, wo sie am besten geschützt sind. Jüngere, kleinere Fische halten sich hingegen an den Außenseiten auf, von wo aus sie meistens schneller an Nahrung kommen und deshalb mehr davon fressen können, wodurch sie wiederum schneller auswachsen.

Zu den Piranhas werden insgesamt fünf südamerikanische Fischgattungen mit bislang 39 bekannten Arten gerechnet. Sie werden zwischen 15 und 40 Zentimeter groß, ihr Körper ist seitlich stark abgeflacht und sie besitzen sehr scharfe Zähne, mit denen sie gut Fleischstückchen aus ihrer Nahrung lösen können. Piranhas sind in fast allen Flüssen Südamerikas und deren Einzugsgebieten zu finden.

Mitteilung der britischen Royal Society, London ddp/wissenschaft.de ? Tobias Becker
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♦ Die Buchstabenfolge zi|tr… kann in Fremdwörtern auch zit|r… getrennt werden.

Kol|la|ti|ons|pflicht  〈f. 20; Rechtsw.〉 Ausgleichspflicht, Pflicht von Erben, eventuelle vorherige Zuwendungen an andere sich auf ihr Erbteil anrechnen zu lassen

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