Nicht so deftig vor Operationen! - wissenschaft.de
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Nicht so deftig vor Operationen!

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Credit: Ozaki Lab, Brigham and Women's Hospital
Eine Operation betrifft nicht nur das Zielorgan selbst: Um es zu erreichen, müssen Chirurgen durch die äußeren Schichten des Körpers schneiden, die zu einem erheblichen Teil aus Fettgewebe bestehen. US-Forscher haben nun bei Mäusen beobachtet, dass eine fettarme Diät drei Wochen vor einer Operation die heilungsrelevanten Reaktionen des Fettgewebes positiv beeinflussen. Vermutlich könnten entsprechende Ernährungsweisen auch beim Menschen die Genesung nach Eingriffen beschleunigen und Komplikationen vermeiden, sagen die Forscher um Keith Ozaki von der Harvard Medical School in Bosten.

Die Versuchstiere der Forscher waren grundsätzlich an eine Nahrung gewöhnt, die der typisch westlichen Ernährungsweise des Menschen entspricht – mit einem hohen Fettgehalt: 60 Prozent der Energie im Futter der Mäuse stammte aus Fett. Drei Wochen vor Beginn der Versuche änderten die Forscher dann allerdings die Ernährungsweise einiger Tiere: Sie bekamen statt dem deftigen Futter eine Diät, bei der nur zehn Prozent der Kalorien aus Fett stammten. Bei allen Versuchstieren führten die Forscher anschließend experimentelle Eingriffe durch, die Operationen beim Menschen entsprechen.

Weniger Entzündungsprozesse nach Diät

Die Untersuchungen der Forscher während der Genesungszeit der Nager zeigten: Das durch die Operation traumatisierte Fettgewebe aller Versuchstiere wies Anzeichen für Entzündungsprozesse auf. Diese können negative Auswirkungen auf umliegendes Gewebe haben und so eine Heilung stören. Das Fettgewebe im Wundbereich der Tiere, die vor der Operation die dreiwöchige Diät erhalten hatten, zeigte aber vergleichsweise weniger Stressanzeichen, besaß also bessere Heilungsparameter. Offenbar hatte die Diät die Eigenschaften des Fettgewebes günstig beeinflusst. „Unsere Ergebnisse zeigen damit, dass die Qualität unseres Fettgewebes bei Genesungsprozessen wichtig ist“, resümiert Ozaki.

Die Wissenschaftler schlagen nun vor, den Zusammenhang zwischen dem Fettgehalt im Essen vor Operationen und seinen Auswirkungen auf die Genesung auch beim Menschen zu untersuchen. „Es ist allgemein bekannt, dass die Minimierung von Gewebsbelastungen bei Operationen die Genesungsdauer von Patienten beschleunigen kann“, sagt Ozaki. „Doch bisher lag der Fokus dabei auf den betroffenen Organen, wie Herz, Leber und den Blutgefäßen – das Fettgewebe, durch das Chirurgen schneiden müssen, wurde bisher dagegen eher weniger beachtet“.

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Die aktuellen Ergebnisse betonen, dass dieses Gewebe wichtig ist und dass sich seine Heilungsparameter offenbar beeinflussen lassen. Das Weglassen bestimmter Nahrungsmittel vor anstehenden Operationen könnte eine simple aber effektive Möglichkeit sein, den Körper vor den Folgen einer Operation zu schützen, sagen die Wissenschaftler.

Keith Ozaki von (Harvard Medical School, Bosten) et al.: Surgery, doi:10.1016/j.surg.2012.11.001 © wissenschaft.de – Martin Vieweg
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