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Umwelt+Natur

Noch viel Platz für Braunbären

Braunbär
Braunbär im Wald (Foto: Erik Mandre)

Große Chance für Braunbären: In Europa gibt es noch viele Gebiete, die Braunbären einen geeigneten Lebensraum bieten könnten, wie eine Kartierung enthüllt. Bisher hat „Meister Petz“ sich diese Gebiete noch nicht wieder zurückerobert – aber das könnte in Zukunft durchaus passieren. Sogar im dicht besiedelten Deutschland gibt es noch freie, für Braunbären geeignete Habitate, wie die Forscher berichten.

Noch vor rund 500 Jahren waren Braunbären in fast ganz Europa verbreitet, sie gehörten zum natürlichen Raubtier-Spektrum in unserer Natur. Doch in den folgenden Jahrhunderten wurden sie vielerorts ausgerottet, so auch in Deutschland. Vor allem die Bejagung und der Verlust ihrer Lebensräume setzten den Bären dabei zu. Heute leben noch rund 17.000 Braunbären in Europa, verteilt auf zehn Populationen in 22 Staaten.

Freie Habitate gibt es noch genug

Weil in den vergangenen Jahren vielerorts die Jagd auf Braunbären verboten oder stark eingeschränkt wurde, erholen sich die europäischen Bestände jedoch langsam. Künftig könnten sich die Braunbären in Europa dadurch sogar wieder ausbreiten. Ob es für diese Ausbreitung in Europa geeignete Habitate gibt, haben nun Anne Scharf vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell und Néstor Fernández von der Universität Halle untersucht. Für ihre Studie werteten sie Daten zum Vorkommen der Braunbären und ihren Ansprüchen an ihre Umwelt aus und glichen dies mit Lebensräumen in Europa ab.

Es zeigte sich: Platz gäbe es noch genug. In Europa existieren noch viele Gebiete, in denen keine Bären mehr leben, die sich aber grundsätzlich wieder als Lebensraum eignen würden. Von mehr als einer Million Quadratkilometern für Braunbären geeignetem Lebensraum sind bisher rund 37 Prozent noch nicht besiedelt. Das entspricht einer Fläche von rund 380.000 Quadratkilometern – größer als ganz Deutschland.

Geeignete Lebensräume auch in Deutschland

Karte Braunbären
Gebiete, in denen Braunbären leben (blau), und noch freie, geeignete Lebensäume (grün). (Grafik: N. Fernández)

„Dass es noch geeigneten Lebensraum für Braunbären gibt, ist eine große Chance für den Artenschutz“, sagt Fernández. Nachdem sich die potentiellen Lebensbedingungen für Bären in vielen europäischen Staaten verbessert haben sei es wahrscheinlich, dass künftig Tiere in einige dieser Gebiete einwanderten, so der Studienleiter. Bereits heute beobachten Wissenschaftler, dass sich rund 70 Prozent der Braunbär-Populationen in Europa erholen, und es ist anzunehmen, dass Bären im Laufe der Zeit noch unbesetzte Gebiete besiedeln werden.

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Sogar im dicht besiedelten Deutschland gibt es noch 16.000 Quadratkilometer potentiellen Bären-Lebensraum, wie die Forscher berichten. „Auch in Deutschland ist es sehr wahrscheinlich, dass einige Gebiete früher oder später wieder von Braunbären besiedelt werden, vor allem in der Alpenregion“, sagt Fernández. Andere theoretisch geeignete Lebensräume außerhalb der Alpen sind jedoch geografisch isoliert, so dass dort eine natürliche Rückkehr des Bären unwahrscheinlich ist. Dennoch besteht damit insgesamt eine begründete Hoffnung, dass Bären 200 Jahre nach ihrer Ausrottung in Deutschland wieder heimisch werden.

Konflikten vorbeugen

Umso wichtiger sei es nun, vorausschauend Maßnahmen zu ergreifen, um Konflikte zwischen Bären und Menschen zu vermeiden, betonen die Wissenschaftler. Solche Konflikte entstehen vor allem dann, wenn Bären Feldfrüchte fressen oder Bienenstöcke beschädigen, gelegentlich reißen sie auch Schafe. Direkte Angriffe von Bären auf Menschen passieren hingegen äußerst selten. Die Bären selbst gehen Menschen gewöhnlich aus dem Weg. Die nun von den Forschern erstellte Karte könnte dabei helfen, mögliche Konfliktgebiete frühzeitig zu erkennen – und sich entsprechend vorzubereiten. So könnte man zum Beispiel Ausgleichszahlungen daran koppeln, dass vorab Schutzmaßnahmen ergriffen wurden, erklärt Fernández. Solche Schutzmaßnahmen können das Aufstellen von Stromzäunen sein, die Bewachung von Äckern oder Viehweiden durch Schutzhunde sowie der Dialog mit der Bevölkerung.

Ein Blick auf die Karte macht zudem deutlich: Bären halten sich nicht an Staatsgrenzen. „Daher wäre ein gemeinsames Management des Braunbären sowie anderer Wildtiere auf europäischer Ebene wünschenswert“, sagt Fernández. Derzeit ist die Gesetzgebung in Bezug auf Schutz und Bejagung der Bären von Staat zu Staat sehr unterschiedlich, und auch die Zahlung von Entschädigungen ist verschieden geregelt.

Quelle: Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig, Fachartikel: Diversity and Distributions, doi: 10.1111/ddi.12796

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