Nördliche Breitmaulnashörner: Eizellen als letzte Hoffnung - wissenschaft.de
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Nördliche Breitmaulnashörner: Eizellen als letzte Hoffnung

Nashörner
Najin (links) und Fatu sind die weltweit letzten beiden Nördlichen Breitmaulnashörner. (Bild: Ami Vitale)

Najin und Fatu sind die letzten ihrer Art: Außer ihnen gibt es weltweit kein einziges Nördliches Breitmaulnashorn mehr. Doch beides sind Weibchen, so dass auf natürliche Weise keine Fortpflanzung mehr möglich ist. Jetzt ist es Forschern erstmals gelungen, den beiden Nashornweibchen Eizellen zu entnehmen. Dies eröffnet die Chance, diese Eizellen mit den eingefrorenen Spermien zweier bereits verstorbener Artgenossen zu befruchten und so doch noch Nachwuchs zu züchten.

Sie waren die letzte Hoffnung auf eine Erhaltung der Nördlichen Breitmaulnashörner: im Dezember 2009 wurden Najin und Fatu gemeinsam mit den beiden letzten Männchen ihrer Art ins kenianische Ol Pejeta Reservat gebracht. Forscher hatten die Hoffnung, dass sich die Tiere in dem großen Freigehege in der Nähe ihres natürlichen Lebensraums vielleicht noch auf natürlichem Wege fortpflanzen würden. Tatsächlich paarten sich die Nashörner zwar, aber es kam zu keiner Schwangerschaft. „Nach einem umfassenden Gesundheitscheck im Jahr 2014 kamen wir zum Schluss, dass beide Weibchen aufgrund unterschiedlicher gesundheitlicher Probleme keinen Nachwuchs austragen können“, erklärt Robert Hermes vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin.

Erste Eizellentnahme geglückt

Als dann im Jahr 2014 und 2018 die letzten beiden Männchen starben, schien der Erhalt der Nördlichen Breitmaulnashörner aussichtslos. Allerdings froren Wissenschaftler damals zur Sicherheit Spermienproben der beiden Nashornbullen ein, in der Hoffnung, dass vielleicht moderne Reproduktionsmethoden doch noch einen Weg zur Fortpflanzung eröffnen würden. Allerdings: Dafür müssten den beiden Nashornweibchen Eizellen entnommen werden – eine Prozedur, die so noch nie gemacht worden war. „Der Eingriff ist das Resultat jahrelanger Forschung, Entwicklung, Anpassung und Übung“, erklären Thomas Hildebrandt vom Leibnitz-Institut und David Ndeereh vom Kenya Wildlife Service. „Sowohl die Methode als auch das dafür nötige Equipment musste von Grund auf neu entwickelt werden.“

Am 22. August 2019 ist nun die Entnahme der Eizellen bei den beiden Nashornweibchen gelungen. „Wir konnten insgesamt 10 Eizellen entnehmen – fünf von Najin und fünf von Fatu – und damit zeigen, dass beide Weibchen noch in der Lage sind, Eizellen zu produzieren, und uns helfen können, diese wunderbaren Geschöpfe zu retten“, berichten Hildebrandt und Ndeereh. Die Prozedur wurde mit einem selbst entwickelten medizinischen Spezialgerät durchgeführt, wodurch das Team, von Ultraschallbildern geleitet, unreife Eizellen aus den Eierstöcken der Weibchen entnehmen konnte. Die Tiere waren während des Eingriffs narkotisiert.

Hoffnung auf Nashornkalb von Leihmutter

„Die Eizellenentnahme versetzt uns erstmalig in die Lage, die Idee von der Herstellung von Embryos des Nördlichen Breitmaulnashorns im Labor Wirklichkeit werden zu lassen“, sagt Cesare Galli von Avantea, dem italienischen Labor für hochentwickelte Biotechnologieforschung und Tierreproduktion. Die Forscher werden die Eizellen nun mit den eingefrorenen Spermien der beiden verstorbenen Nashornbullen Suni und Saut befruchten. Die aus dieser In-vitro-Fertilisation entstehenden Embryos sollen dann einer Leihmutter, einer Südlichen Breitmaulnashornkuh, eingesetzt und von ihr ausgetragen werden.

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„Auf der einen Seite sind wir von Ol Pejeta darüber bestürzt, dass die Zahl der Nördlichen Breitmaulnashörner weltweit auf nur zwei Individuen gesunken ist – ein Zeugnis davon, auf welch bedenkliche Art und Weise die Menschen mit ihrer Umwelt umgehen“, sagt Richard Vigne, Managing Director von Ol Pejeta. „Auf der anderen Seite sind wir sehr stolz darauf, dass wir Teil jener bahnbrechenden Arbeit sind, die den letzten Hoffnungsschimmer für die Nördlichen Breitmaulnashörner darstellt. Wir hoffen, dass dies auch dazu beiträgt, dass die Menschheit verinnerlicht, dass ein verantwortungsbewusster Umgang mit der Umwelt kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit ist.“

Quelle: Forschungsverbund Berlin e.V.

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