Ohne Meereis tauchen Belugas tiefer - wissenschaft.de
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Ohne Meereis tauchen Belugas tiefer

Belugawale im Nordpolarmeer (Foto: Laura Morse/ Alaska Fisheries Science Center, NOAA)

Der Schwund des arktischen Meereises beeinflusst nicht nur Eisbären und andere auf dem Eis lebende Tiere. Auch Wale beginnen offenbar bereits, ihr Verhalten und ihre Lebensweise an die zunehmend eisfreie Arktis anzupassen. Ein Beispiel dafür haben Forscher nun in der Beringsee ausgemacht. Belugawale tauchen auf der Jagd nach ihrer Beute dort inzwischen häufiger und tiefer als noch vor 20 Jahren. Ob dies an Beutemangel oder sogar einem reichlicheren Angebot liegt, ist bisher unklar.

Belugas, wegen ihrer weißlichen Farbe auch Weißwale genannt, leben im Nordpolarmeer. Sie halten sich dort vor allem im Sommer vorwiegend an der Packeisgrenze, zwischen Treibeis und in Küstennähe auf. Dort tauchen sie nach Fischen, Kopffüßern, aber auch Krebsen und Muscheln. Gerade das Habitat der Belugas hat sich durch den Klimawandel jedoch bereits deutlich verändert. „Die Arktis hat sich zwei bis dreimal so schnell erwärmt wie der globale Durchschnitt und der damit einhergehende beispiellose Meereisverlust kann gerade die eis-assoziierten Meeresräuber beeinflussen“, sagen Donna Hauser von University of Washington und ihre Kollegen.

Häufigere und tiefere Tauchgänge

Sie haben nun untersucht, wie sich das Verhalten von Belugas in der Beringsee durch den Meereisverlust verändert hat. Für ihre Studie nutzten sie den Umstand, dass Wale in zwei dortigen Belugagruppen bereits seit 1993 immer wieder vorübergehend mit Sensoren ausgestattet wurden. Diese sammeln Daten zur Position und Tauchtiefe der Tiere und senden sie an Satelliten. Für ihre Studie verglichen die Forscher das Tauchverhalten der Belugas von 1993 bis 2002 mit dem Zeitraum von 2004 bis 2012. Gleichzeitig werteten sie auch die Eisbedeckung in diesen Zeiträumen aus.

Wie erwartet war das sommerliche Meereis auch in der Beringsee deutlich zurückgegangen. Weil die Wale dennoch in den gleichen Meeresgebieten blieben, hielten sie sich in der zweiten Zeitperiode häufiger in eisfreien Bereichen auf, wie die Forscher berichten. Parallel dazu veränderte sich das Verhalten der Belugas: Früher tauchten sie typischerweise nur einmal am Tag für 20 Minuten oder länger ab, um nach Beute zu jagen. Inzwischen jedoch führen die Wale im Schnitt drei Tauchgänge am Tag durch. Dabei erhöhte sich ihre durchschnittliche Tauchtiefe von früher rund 50 Metern auf rund 64 Meter.

Positiv oder negativ für die Wale?

Die Wissenschaftler vermuten, dass das geänderte Tauchverhalten der Belugas eng mit ihrer Beute zusammenhängt: „Weil der Schwund des Meereises auch die Meeresumwelt beeinflusst, könnte dies die Verteilung, Häufigkeit oder Artenzusammensetzung der Beutetiere der Weißwale verändert haben“, so Hauser. Ob diese Veränderungen für die Belugas positiv oder negativ sind, ist allerdings noch unklar. So könnten die Beutetiere spärlicher geworden sein oder sich in tieferen Meeresschichten aufhalten. Möglich wäre aber auch, dass die Beute heute sogar reichlicher vorkommt. Was zutrifft, muss nun noch untersucht werden.

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„Wir präsentieren damit einen der ersten Belege für einen indirekten Effekt des Meereseisschwunds
auf eine arktische Walart“, sagt Hauser. Die Belugas haben ihr Tauchverhalten an veränderte Bedingungen angepasst. Ihr Vorteil dabei könnte sein, dass sie Generalisten sind und eine Vielzahl potenzieller Beute nutzen können. „Belugas ernähren sich von ganz verschiedenen Tieren und leben in unterschiedlichen Habitaten, vom dichten Meereis bis zum offenen Wasser und allem dazwischen“, sagt Hauser. „Das könnte ihnen bei der Anpassung an den Klimawandel helfen.“

Quelle: University of Washington, Fachartikel: Diversity and Distributions, doi: 10.1111/ddi.12722

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