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Orientierung übers Innenohr?

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Diese Taube findet Dank ihres Innenohrs zurück nach Hause - vermuten Dickman und Wu. Bild: Gerhard Butke/pixelio.de
Im Schnabel der Vögel haben Forscher vergeblich nach magnetischen Zellen gesucht. Nun haben amerikanische Wissenschaftler das Innenohr im Verdacht, Sitz des Orientierungssinns zu sein.

Vor wenigen Wochen hatte ein Wissenschaftlerteam aus Wien die lange Zeit als eisenhaltige Nervenzellen interpretierte Strukturen im oberen Schnabel von Tauben als Makrophagen identifiziert ? als Fresszellen, die keinerlei Signale ans Gehirn weitergeben können. ?Damit hat sich dieser Ansatz schlicht in Luft aufgelöst?, kommentiert John Phillips von der State University in Blacksburg. Wie andere Spezialisten auch, ist Phillips aber sicher, dass es irgendwo im Vogelkörper solche Nervenzellen geben muss. Denn der ?Sensor? im Auge der Tauben allein reicht nicht aus, um den Tieren auf ihren Tausende Kilometer langen Reisen den Weg zu weisen.

Jetzt gibt es starke Indizien, dass das Innenohr der Sitz dieser magnetischen Zellen ist. Denn Le-Qing Wu und David Dickman vom Baylor College of Medicine in Houston haben dort eisenhaltige Zellen entdeckt. Um zu überprüfen, ob diese Zellen den Vögeln tatsächlich bei der Orientierung helfen, zeichneten sie die Gehirnaktivitäten von sieben Felsentauben ( Columba livia) auf. Dazu setzten sie die Tiere in einen dunklen, mit magnetischen Ringen ausgestatteten Raum. Über diese Ringe veränderten Dickman und Wu die Stärke und die Ausrichtung des Magnetfelds und das Verhalten von mehr als 300 Neuronen in vier Hirnregionen der Vögel, die bekanntermaßen mit dem Innenohr gekoppelt sind.
Ergebnis: Die Aktivität dieser Regionen änderte sich tatsächlich mit dem Magnetfeld.

Die Forscher gehen davon aus, dass Tauben über das Erdmagnetfeld nicht nur ermitteln, auf welcher geographischen Breite und Länge sie sich befinden, sondern auch, ob sie auf der Nord- oder Südhalbkugel sind ? eine entscheidende Information, wenn es um die Flugrichtung geht.

Ob diese Informationen tatsächlich von den eisenhaltigen Zellen im Innenohr ermittelt und weitergeleitet werden, können die Wissenschaftler aber nicht mit letzter Sicherheit sagen. ?Wir nähern uns dieser Frage rückwärts, vom Gehirn aus. Unsere Studie zeigt, dass wir die richtige Herangehensweise haben?, erklärt Dickman. ?Jetzt können erforschen, welche Zellen und Organe die Signale weitergeben. Unsere Ergebnisse legen aber nahe, dass es wirklich das Innenohr ist.?

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Le-Qing Wu und David Dickman (Baylor College of Medicine, Houston): Science, 10.1126/1216567 © wissenschaft.de ? Marion Martin
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