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Vokales Lernen

Paviane grunzen mit „Akzent“

Guineapaviane
Männliche Guineapaviane im Nikolo-Koba Nationalpark im Senegal. (Bild: Julia Fischer)

Ähnlich wie wir Menschen Sprechweise und Dialekt meist von unserem Umfeld übernehmen, unterscheiden sich auch bei Pavianen die Grunzlaute je nach sozialer Gruppe leicht, wie Primatenforscher herausgefunden haben. Demnach ähneln sich die Rufe von Guineapavianen aus derselben sozialen Einheit stärker als die Laute zwischen den sozialen Gruppen. Diese „Akzente“ sind vermutlich auf vokales Lernen zurückzuführen, das auch wir Menschen zum Spracherwerb nutzen.

Wir Menschen gelten als besonders gut darin, gehörte Laute nachzuahmen und unsere Sprache an unser Umfeld anzupassen. Dieses sogenannte vokale Lernen ist die Voraussetzung für jedes unserer gesprochenen Wörter und auch für gesangliche Meisterleistungen. Bis ins hohe Alter können wir Menschen so unsere Sprechweise verändern oder neue Sprachen lernen. Aber auch Tiere wie Singvögel und Fledermäuse lernen komplexe Formen der akustischen Kommunikation und entwickeln dabei sogar „Dialekte“.

Beherrschen Affen das vokale Lernen?

Weniger klar ist der „Spracherwerb“ bislang bei Affen und Menschenaffen – auch weil ihr Repertoire an Lauten relativ begrenzt ist. Um herauszufinden, ob auch diese nichtmenschlichen Primaten eine Form des vokalen Lernens zeigen, hat ein Team um Julia Fischer vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen nun die Lautstrukturen von Pavianen analysiert. Die Forscher wollten ergründen, ob soziale und akustische Erfahrungen die „Sprache“ dieser Tiere prägen und damit Rückschlüsse auf die Evolution des vokalen Lernens ziehen.

Dafür beobachteten sie Guineapaviane (Papio papio) aus dem Niokolo-Koba-Nationalpark im Senegal. Paviane dieser Art leben in mehrstufigen Gesellschaften, in denen mehrere Männchen mit ihren Weibchen und Jungtieren Gruppen und jeweils zwei bis drei dieser Gruppen eine „Gang“ bilden. Während kameradschaftlicher Interaktionen mit anderen Gruppenmitgliedern stoßen die Männchen typischerweise tieffrequente Grunzlaute aus, die freundliche Absichten anzeigen. Das Forscherteam verglich die akustische Struktur dieser Laute bei 27 männlichen Pavianen aus zwei verschiedenen Gangs mit je zwei Gruppen und ermittelte auch den Verwandtschaftsgrad der Tiere.

Jede Gruppe mit eigenem Akzent

Das Ergebnis: Die Lautanalysen zeigten, dass die Grunzlaute von Männchen, die derselben Gang oder Gruppe und damit derselben sozialen Einheit angehören, im Durchschnitt ähnlicher waren als die Grunzlaute von Männchen verschiedener sozialer Ebenen. Wie genetische Analysen ergaben, sind diese sprachlichen Ähnlichkeiten nicht auf eine enge Verwandtschaft zurückzuführen.
Stattdessen bestimmt laut der Forscher das Maß an sozialer Interaktion die Lautstruktur: Sie vermuten, dass der Akzent der Paviane eine einfache Form des vokalen Lernens sein könnte, bei dem die Hörerfahrung die Ausprägung der Rufe bestimmt. Dadurch kommt es zu den gruppenspezifischen „Akzenten“ der Pavian-Laute.

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„Menschen machen das auch: Sie passen oft unwillkürlich das Tempo oder ihre Tonlage an, um sich dem Gesprächspartner anzunähern“, erklärt Fischer. Hinter dieser stimmliche Anpassung stecke kein absichtliches, sondern impliziertes Lernen, so die Wissenschaftler. „Diesen Effekt scheinen nichtmenschliche Primaten und Menschen zu teilen. Aber das ist weit davon entfernt, das erste Wort zu lernen – oder eine ganze Sprache zu beherrschen“, resümiert die Forscherin. „Wenn man die Evolution von Sprache verstehen will, ist es daher wichtig, zwischen verschiedenen Formen des vokalen Lernens zu unterscheiden.“

Quelle: Deutsches Primatenzentrum GmbH – Leibniz-Institut für Primatenforschung, Fachartikel: Proceedings of the Royal Society B, doi: 10.1098/rspb.2020.2531

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