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Pferde zeigen uns, was sie wollen

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Pferde können verblüffend gut lernen, mt uns über Symbole zu kommunizieren (Foto: AnnaElizabeth /iStock)
Pferdeflüsterer sind darauf spezialisiert, die subtilen Signale der Pferde zu verstehen. Dies soll helfen, die Stimmung und Bedürfnisse der sensiblen Vierbeiner zu erkennen. Doch es geht auch einfacher, wie ein Experiment nun demonstriert: Pferde lernen verblüffend schnell, über abstrakte Symbole direkt mit uns zu kommunizieren. Durch Stups auf ein Symbol zeigten sie im Versuch direkt an, ob sie eine Decke wollten oder ob sie schwitzten und ihre Decke loswerden wollten. Diese simple, aber effektive Kommunikation könnte für die Pferdehaltung sehr hilfreich sein.

Der Kluge Hans ist legendär: Dieser Hengst sorgte vor dem Ersten Weltkrieg für Aufsehen, weil er scheinbar mühelos zählen und sogar rechnen konnte. Durch Klopfen mit dem Huf löste er die ihm gestellten Aufgaben – und stellte damals Biologen vor ein Rätsel: Sollten die Pferde doch intelligenter sein als man bisher dachte? Das Geheimnis hinter den verblüffenden Rechenkünsten des Klugen Hans klärte sich erst einige Jahre später. Das Pferd konnte nicht wirklich rechnen, verfügte aber über eine sehr scharfe Beobachtungsgabe. An winzigen, unwillkürlichen Bewegungen und Änderungen der Körperspannung seines Besitzers erkannte das Pferd, wann es zu Klopfen aufhören musste – und kam so auf die richtige Lösung der Matheaufgaben. Seither haben zahlreiche Studien belegt, dass Pferde sowohl subtile Signale ihrer Artgenossen als auch unseren Gesichtsausdruck erkennen und interpretieren können. Sogar abstrakte Symbole können sie unterscheiden lernen. Reitpferde lernen zudem, auf die Hilfen ihrer Reiter zu reagieren. „Traditionell ist dieses Training aber immer mit der Kommunikation in nur einer Richtung verbunden: Vom Mensch zum Pferd“, erklären Cecilie Mejdell vom Norwegischen Veterinärinstitut in Oslo und ihre Kollegen. Sie haben nun untersucht, ob Pferde auch lernen können, gezielt mit uns zu kommunizieren.

Decke drauf oder weg?

Für ihr Experiment trainierten die Forscher 22 Freizeitpferde verschiedenster Rassen zunächst darauf, drei verschiedene Symbole zu erkennen und zu unterscheiden: einen senkrechten schwarzen Balken, einen waagerechten Balken und ein leeres weißes Feld. Im nächsten Schritt lernten die Pferde, dass ihnen bei einem Schnauzenstupser an das Schild mit dem senkrechten Balken die Decke abgenommen wurde, stupsten sie den waagerechten Balken an, bekamen sie eine Decke übergeworfen. Das weiße Feld stand für „keine Veränderung“. Jetzt folgte der entscheidende Test: Die Pferde wurden wie üblich tagsüber auf die Weide gelassen und die Biologen beobachteten, was nun geschah. Würden die Pferde die Schilder nutzen, um ihre Bedürfnisse mitzuteilen? „Wenn die Pferde die Bedeutung des Symbols und ihre Funktion als Kommunikationsmittel verstehen, müssten sie je nach Wetter unterschiedlich reagieren“, sagen Mejdell und ihre Kollegen. Bei Hitze müssten die Tiere durch Schnauzenstups dafür plädieren, dass ihnen die Decke abgenommen wird, bei Kälte, Wind und Regen müssten die noch deckenlosen Pferde für eine Decke plädieren.

Und tatsächlich:  An heißen Sommertagen stupsten alle 22 Pferde gezielt das Symbol mit dem senkrechten Balken an. An zwei Tagen mit Dauerregen und kaltem Wind wählten dagegen 20 der 22 Pferde das Symbol mit dem waagerechten Balken und signalisierten damit: Ich möchte eine Decke bekommen“. Nach Ansicht der Forscher belegt dies eindeutig, dass Pferde nicht nur abstrakte Symbole unterscheiden können. Sie begreifen auch schnell, dass diese Symbole ein Mittel zur Kommunikation sein können. „Die Pferde nutzten ihre Erkenntnis dazu, um ihre Vorliebe bezüglich der Decken zu kommunizieren“, so Mejdell und ihre Kollegen. „Sie hatten erkannt, dass sie so je nach Wetter ihren Komfort erhöhen oder beibehalten können.“ Diese Fähigkeit scheint zudem nicht auf bestimmte Rassen oder besonders talentierte Individuen beschränkt: Im Experiment lernten alle Pferde, die Symbole zu nutzen, wie die Forscher berichten. Warmblüter schafften es zwar etwas früher als Kaltblüter, aber am Ende teilten alle Pferde ihre Bedürfnisse über die abstrakten Zeichen mit. Die Forscher hoffen, dass ihre Studie dazu führt, dass künftig auch andere diese Chance nutzen, um mit den Pferden zu kommunizieren und sie gezielt nach ihrem Wohlbefinden oder ihren Bedürfnissen zu fragen.

Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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