Pilz frisst Radioaktivität - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Pilz frisst Radioaktivität

Radioaktive Strahlung kann bestimmten Pilzarten als Nahrung dienen. Dafür wandeln die Pilze die Strahlung mithilfe des auch in der menschlichen Haut vorkommenden Pigments Melanin in Energie um und nutzen diese für ihr Wachstum. Diese Organismen können somit entgegen bisheriger Annahmen unabhängig von organischen Stoffen wachsen, die von anderen Lebewesen gebildet wurden. Der zugrundeliegende Mechanismus scheint hierbei ähnlich zu funktionieren wie bei der Photosynthese von Pflanzen.

In ihrer Studie verglichen die Wissenschaftler das Wachstum verschiedener Pilzarten, die entweder der natürlich vorkommenden radioaktiven Hintergrundstrahlung oder einer bis um das 500fache erhöhten Strahlendosis ausgesetzt wurden. Pilzarten, die Melanin enthielten, zeigten unter dem Einfluss der erhöhten Strahlung ein deutlich stärkeres und schnelleres Wachstum, beobachteten die Wissenschaftler.

Die Idee zu ihren Experimenten war den Forschern bereits vor fünf Jahren gekommen, als im zerstörten Atomreaktor von Tschernobyl schwarze, melaninreiche Pilze gefunden wurden, die dort auf den Wänden wuchsen. Für mögliche Anwendungen ihrer Entdeckung haben die Wissenschaftler schon konkrete Ideen: Beispielsweise könnten Pilze Astronauten als unerschöpfliche Nahrungsquelle bei langen Missionen im All dienen, da dort überall radioaktive Strahlung in großer Menge vorhanden ist.

Pflanzen wandeln mithilfe des Pigments Chlorophyll Sonnenlicht in chemische Energie um, die ihnen erst das Wachstum ermöglicht. Mit der radioaktiven Strahlung haben sich bestimmte Pilzarten einen weiteren Ausschnitt der elektromagnetischen Strahlung erschlossen. Dass viele Pilzarten Melanin produzieren, war schon länger bekannt, welche Funktion es in Pilzen erfüllt, jedoch nicht.

Auch die menschliche Haut produziert Melanin. Da sich dieses chemisch nicht von dem Melanin der Pilze unterscheidet, spekulieren die Forscher, dass dieses ebenfalls Energie für die Hautzellen liefern könnte. Diese würde zwar nicht für einen Strandlauf ausreichen, aber vielleicht zum Öffnen eines Augenlids.

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Arturo Casadevall (Yeshiva-Universität, New York) et al.: PLoS ONE, DOI: 10.1371/journal.pone.0000457 ddp/wissenschaft.de ? Tobias Becker
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