Plastikfasern im Seebär-Kot - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Plastikfasern im Seebär-Kot

Seebären
Seebären in Südamerika (Foto: Marcos Martinez Sanchez/ iStock)

Mikroplastik ist längst überall: Im Ozean, in den Mägen von Fischen und Vögeln und sogar in unserem eigenen Kot. Jetzt belegt eine Studie vom Südzipfel Südamerikas, dass selbst die in diesem entlegenen und kaum besiedelten Gebiet lebenden Seebären überraschend viele Mikrofasern in ihrem Kot haben. Es ist das erste Mal, dass solche unter anderem aus Fleecekleidung freigesetzten Fasern im Kot von Wildtieren nachgewiesen wurden.

Es gibt inzwischen kaum mehr einen Ort auf der Welt, der nicht mit Mikroplastik verunreinigt ist. Die weniger als fünf Millimeter kleinen Kunststoffpartikel und -fasern finden sich von der Tiefsee bis ins Hochgebirge und von der Arktis bis in die Antarktis. Untersuchungen von Fischen, Seevögeln und vielen weiteren Tieren belegen, dass das Mikroplastik dabei bereits in fast allen Ebenen der Nahrungskette angekommen ist. Auch unsere eigene Nahrung – vom Honig bis zum Meersalz – ist inzwischen mit Mikroplastik kontaminiert und selbst in unserem Kot ist es nachweisbar.

Reichlich Mikrofasern im Kot

Ob diese Kontamination auch Tiere erreicht hat, die in relativ entlegenen Gebieten der Erde nahe der Spitze ihrer Nahrungskette stehen, haben nun Mauricio Seguel von der University of Georgia und seine Kollegen untersucht. Für ihre Studie analysierten sie den Kot von 51 wildlebenden Südamerikanischen Seebären (Arctocephalus australis), die auf der Guafo-Insel vor der Südwest-Küste Chiles leben. Dieses Gebiet gilt wegen seiner günstigen Meeresströmungen als eines der fischreichsten der Welt – und bietet daher auch Meeressäugern entsprechend reiche Nahrung.

Ihre Kotanalysen ergaben: Zwar tragen die Seebären an der Südspitze offenbar keine Mikroplastikkügelchen in sich, dafür aber umso mehr Mikroplastikfasern. „67 Prozent der Kotproben zeigten eine beachtliche Menge an Mikrofasern“, berichten die Forscher. „Bisher wurde so etwas nur bei Tieren gefunden, die in Gefangenschaft gehalten und gefüttert wurden. Bei Wildtieren sei es das erste Mal, dass Mikrofasern im Kot nachgewiesen wurden. Ob und wie die Mikrofasern den Seebären und anderen Meeressäugern schaden, ist bisher nicht bekannt.

Mit der Strömung nach Süden

Die Forscher vermuten, dass die Mikrofasern mit den Strömungen aus dichter besiedelten Meeresgebieten in den Lebensraum der Seebären eingeschwemmt wurden. Die weniger als einen Millimeter feinen Härchen aus Kunststoff werden unter anderem von Fleecekleidung beim Waschen freigesetzt. Mit dem Abwasser gelangen sie dann in Gewässer, weil die meisten Kläranlagen diese feinen Fasern nicht herausfiltern können.

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Wie Seguel und seine Kollegen erklären, wurden die Mikrofasern vermutlich zunächst von Plankton aufgenommen, das dann wiederum von Fischen gefressen wurde. Als fischfressende Prädatoren nahmen dann die Seebären mit ihrer Beute diese Fasern in sich auf. „Es ist kein Geheimnis, dass die Plastikverschmutzung eine der größten Bedrohungen für die marinen Ökosystem ist“, sagt Seguel. „Aber wir lernen erst jetzt allmählich, wie weitverbreitet dieses Problem bereits ist.“ Noch sei es nicht zu spät, zum Schutz und zur Regeneration der Ozean zu handeln, betont Kelly Diehl von der Morris Animal Foundation.

Quelle: Morris Animal Foundation, Fachartikel: Marine Pollution Bulletin, doi: 10.1016/j.marpolbul.2018.08.065

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