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Umwelt+Natur

Platz für die seltensten Seelöwen gesucht

Junge Seelöwen
Im Wald schlafende Jungtiere der Neuseeland-Seelöwen. (Bild: Amélie Augé)

Neuseeland-Seelöwen kamen lange Zeit nur noch auf einigen kleineren Inseln vor, Jahrhunderte der intensiven Jagd haben sie an den Rand des Aussterbens gebracht. Inzwischen aber kehren einige Robben wieder an die Küsten der Hauptinseln zurück. Wo sich dort geeignete Aufzuchtplätze für die Robben befinden und welchen Einfluss Straßen, Weiden und andere anthropogene Strukturen haben, haben Forscher mithilfe eines neuen Modells ermittelt.

Die Neuseeländischen Seelöwen (Phocarctos hookeri) gehören zu den am stärksten gefährdeten Großroben weltweit. Die bis zu 3,50 Meter langen und knapp eine halbe Tonne schweren Seelöwen waren einst in den kühlen Meeren rund um Neuseeland häufig, wurden dann aber durch intensive Bejagung extrem dezimiert. Heute kommen 95 Prozent der nur noch knapp 10.000 Exemplare in nur drei Brutgebieten auf einigen südlich von Neuseeland liegenden subarktischen Inseln vor.

Jungenaufzucht im Wald statt am Strand

Einer der Gründe für den starken Rückgang der Neuseeland-Seelöwen ist neben der Bejagung das eher ungewöhnliche Verhalten der Weibchen: Sie sind die einzige Seelöwenart, die zwar ihre Jungen am Strand gebären, dann aber mit dem Nachwuchs bis zu zwei Kilometer landeinwärts wandern. Dort ziehen sie die Jungtiere vorzugsweise in Wäldern auf, wo sie vor Wind, Stürmen und aggressiven jungen Männchen geschützt sind. Gleichzeitig setzt dieses Verhalten die Tiere jedoch Störungen durch menschliche Einflüssen aus.

Dort, wo sich Seelöwen-Brutgebiete und besiedelte Küstenstreifen überlappen, kommt es daher nicht selten zu Begegnungen mit potenziellen Risiken für beide Seiten. So wurde bereits über Kollisionen mit Autos berichtet, ebenso wie Zwischenfälle mit Haustieren. Seelöwen wurden auch beobachtet, wie sie auf Spielplätzen dösten, in lokalen Schwimmbädern badeten oder wie sie ihre Jungen im Garten zur Welt brachten. Gleichzeitig können Zäune, Straßen und Wohngebiete auch Barrieren für die Mütter und ihre Jungen auf dem Weg in den Wald darstellen und so ihre Aufzuchtmöglichkeiten stark eingrenzen.

Geeignete Aufzuchtgebiete identifiziert

Im Zuge der Artenschutz-Bemühungen haben sich einige wenige Populationen der Neuseeland-Seelöwen wieder erholt und es gibt sogar schon wieder erste Aufzuchtgebiete auf den Hauptinseln Neuseelands. Ihre Rückkehr wird als großer Erfolg gefeiert – schafft aber auch komplexe Herausforderungen. Weil auf den Hauptinseln viele Küstengebiete dicht besiedelt sind, erschwert dies die Wiederansiedlung der Seelöwen. Veronika Frans von der Michigan State University und ihre Kollegen haben deshalb ein Computermodell entwickelt, das potenziell geeignete Bereiche entlang den Küsten der Hauptinseln zeigt und dabei anders als frühere Karten auch verdeutlicht, wo anthropogene Strukturen die Eignung herabsetzen.

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Die integrierte Datenbank modellierter Artverbreitungen (iSDMdb) identifiziert 395 potenzielle Aufzuchtgebiete entlang der Küsten der Nord- und Südinsel Neuseelands. Davon jedoch waren rund ein Drittel starkem menschlichen Einfluss in Form von Wohnsiedlungen oder Straßen ausgesetzt. „Nachdem diese Einflüsse berücksichtigt wurden, blieben nur noch rund ein Drittel der Orte übrig“, schreibt das Forschungsteam. Rund die Hälfte aller Orte wies zudem Barriere in Form von Weideland oder Zäunen auf, die die Seelöwenweibchen an ihrer Inlandwanderung hindern würden. Werden all diese menschlichen Einflüsse berücksichtigt, sinkt die Zahl der geeigneten Brutplätze deutlich, wie Frans und ihre Kollegen berichten. Als noch am ehesten ungestört erwiesen sich dabei in erster Linie Orte auf der Nordinsel.

Die Wissenschaftler hoffen nun, dass ihre Kartierung und die zugrundeliegende Datenbank dabei helfen wird, die Chancen einer Wiederansiedlung der Seelöwen zu erhöhen. Vor allem Wildhüter und Behörden sollen diese Erkenntnisse nutzen, um Konflikte durch die zukünftige Umweltplanung und entsprechende Kommunikation mit der Öffentlichkeit zu minimieren.

Quelle: Technische Universität Dresden; Fachartikel: Methods in Ecology and Evolution, doi: 10.1111/2041-210X.13736

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