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Umwelt+Natur

Powerdrinks für Mäuse

Forscher haben entdeckt, wie sich das Leben verlängern lässt – zumindest bei Mäusen: Bekommen die Tiere Wasser mit bestimmten Aminosäuren zu trinken, leben sie länger als ihre Artgenossen, die ohne den Nahrungszusatz auskommen müssen. Besonders wirksam scheinen dabei die sogenannten verzweigten Aminosäuren Leucin, Isoleucin und Valin zu sein. Sollte sich ein ähnlicher Effekt auch beim Menschen zeigen, könnten die Substanzen in Zukunft als Nahrungsergänzung verwendet werden und vor allem älteren oder kranken Menschen zu neuen Kräften verhelfen, glauben die Wissenschaftler um Enzo Nisoli von der Universität Mailand.

In ihrer Untersuchung gaben die Wissenschaftler männlichen Mäusen im mittleren Alter mehrere Monate lang eine Lösung mit verzweigten Aminosäuren, im Englischen branched-chain amino acids oder BCAA genannt, zu trinken. Der Effekt war beeindruckend: Die behandelten Nager lebten im Schnitt 869 Tage oder knapp 2,4 Jahre, während Vergleichsmäuse, die keine spezielle Nahrungsergänzung erhalten hatten, nur 774 Tage und damit etwas mehr als 2,1 Jahr lebten. Dies entspricht einer Zunahme der Lebensspanne um 12 Prozent. Die gleichen Aminosäuren können auch die Lebensdauer einzelner Hefezellen verlängern, hatten Forscher bereits im vergangenen Jahr gezeigt. Die neue Studie deute nun darauf hin, dass der Effekt auch bei komplexen Organismen zu finden sei: „Unsere Studie ist der erste Beleg dafür, dass eine Mischung aus Aminosäuren die Überlebenszeit von Mäusen erhöhen kann“, sagt Enzo Nisoli.

Die Forscher fanden auch bereits erst Hinweise darauf, welchen positiven Effekt die Gabe von BCAA auslöst: Die Herz- und Skelettmuskulatur der behandelten Mäuse enthielt mehr Mitochondrien. Das sind sozusagen die Kraftwerke der Zellen, die ihnen Energie zur Verfügung stellen. Darüber hinaus zeigten die Tiere eine erhöhte Aktivität des Gens SIRT1, das als „Langlebigkeitsgen“ bekannt ist und dazu beiträgt, freie Radikale im Körper zu bekämpfen. Vermutlich als Folge dieser Veränderungen verfügten die Mäuse über eine größere Ausdauer und eine bessere Bewegungskoordination, berichten die Wissenschaftler.

Die Ergebnisse legen laut Nisoli nahe, dass die Aminosäuren-Mixtur vor allem älteren oder kranken Menschen helfen könnte. „Bei jüngeren Menschen mit gutem Allgemeinzustand hat die Gabe von Aminosäuren dagegen vermutlich keinen zusätzlichen Nutzen“, sagt Nisoli. Wichtig sei allerdings, die Aminosäuren in reiner Form zu sich zu nehmen und nicht in Form von Proteinen, die diese Aminosäuren als Bausteine enthalten. „Der Grund dafür ist, dass die Aminosäuren selbst nicht verdaut werden müssen, sondern direkt in die Blutbahn gelangen können“, erklärt Nisoli. Es gebe auch bereits erste kleinere Studien, die darauf hindeuteten, dass die Mixtur älteren Menschen tatsächlich gut tue ? das müsse allerdings erst in größeren klinischen Studien bestätigt werden.

Enzo Nisoli (Universität Mailand) et al.: Cell Metabolism, Onlinevorabveröffentlichung, doi: 10.1016/j.cmet.2010.08.016. dapd/wissenschaft.de ? Kristina Abels
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