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Pralles Leben im Dunkel der Tiefsee

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Wegen ihrer ohrenartigen Flossen werden diese skurillen Kopffüßer Dumbo genannt. Die Weichtiere leben in 1.000 Metern Tiefe und werden bis zu zwei Meter lang. Bild: David Shale, MAR-ECO, Census of Marine Life
Über 17.500 Tierarten bevölkern die ewige Dunkelheit der Tiefsee zwischen 200 und 5.000 Metern unter dem Meeresspiegel. Die Palette der vom Wissenschaftsnetz Census of Marine Life in einer Studie erfassten Lebewesen reicht dabei von millimetergroßen Schlammwürmern bis zu zwei Meter langen Kopffüßern. Je tiefer das internationale Wissenschaftler-Team seine Kameras und Sonden in die Finsternis versenkte, desto geringer wurde die Ausbeute, weil das Nahrungsangebot drastisch sinkt. Erstaunlicherweise herrscht aber die größte Artenvielfalt im unwirtlichsten Lebensraum: Im einförmigen und nahrungsarmen Schlick des Meeresgrunds müssen Tiere ein hohes Maß an Spezialisierung an den Tag legen, um die kargen Futtervorräte zu finden und zu verwerten. Die jetzt vorgelegten Ergebnisse der Tiefseeforscher sind ein Teilbericht des im Oktober 2010 erscheinenden Census-Reports.

„Von den 17.650 Spezies der lichtlosen Tiefsee leben 5.722 unterhalb von 1.000 Metern unter der Oberfläche?, berichtet Edward Vanden Berghe, Manager des Ocean Biogeographic Information System von Census. „Tageslicht dringt nur bis 200 Meter unter den Meeresspiegel ? und damit findet darunter auch keine Photosynthese mehr statt. Entsprechend dürftig wird das Nahrungsangebot. Die Tiere vertilgen daher schließlich Bakterien, die sich von Öl, Methan, Schwefel oder den Skeletten toter Wale ernähren.?

Die höchste Konzentration von Tierarten fanden die 344 Wissenschaftler aus 34 Nationen auf dem mittelatlantischen Gebirgsrücken. Das submarine Plateau ist quasi eine Oase, umgeben von lebensfeindlichen Tiefseegräben. Hier leben auch die meisten Kopffüßer, die bis zu sechs Kilogramm schweren und zwei Meter langen Riesen der Tiefe: Unter den neun Arten der Weichtiere, die wegen ihrer ohrenartig abstehenden Flossen nach dem Zeichentrick-Elefanten Dumbo genannt werden, befand sich auch eine bisher unbekannte Spezies. Die geografische Verteilung der lichtscheuen Meeresbewohner hängt aber laut Robert Carney, Lousiana State University, nicht nur von den Höhen und Tiefen des Bodens ab: „Es gibt uns noch unbekannte Barrieren, welche die Verbreitung von Nahrung begrenzen und das Vorkommen von Spezies auf Provinzen beschränken.?

Erstaunt waren die Wissenschaftler über die Biodiversität am Meeresgrund: „Die Artenvielfalt im Schlamm lässt sich mit der des tropischen Regenwalds vergleichen?, erklärt Carney. „Bisher galten eher Lebensräume mit vielen Schlupfwinkeln als besonders artenreich.? Nichtsdestotrotz verbargen sich gerade im Schlick die meisten neuen Arten: Allein von den 680 Krebsen waren 99 Prozent der Wissenschaft unbekannt, bei den Hundertschaften der noch kleineren Lebewesen aus der Makrofauna wurden 50 bis 85 Prozent erstmals gesichtet. Die Forscher schätzen, nach Ablauf des Zehnjahresprojekts rund 230.000 Arten mit einer eigenen Webseite in einer Online-Enzyklopädie veröffentlichen zu können.

Edward Vanden Berghe (Ocean Biogeographic Information System, New Brunswick) et al.: Census-Reports ddp/wissenschaft.de ? Rochus Rademacher
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