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Umwelt+Natur

Primaten im Blutrausch

Schimpansen können sich zu Banden zusammenschließen und die Mitglieder von Nachbargemeinden ermorden. Ursache dafür ist ihr Expansionsbestreben, haben US-Forscher herausgefunden. Sie beobachteten zehn Jahre lang das Verhalten einer Gruppe von über 150 Schimpansen im Kibale-Nationalpark in Westuganda. Insgesamt 18 Attacken registrierten die Wissenschaftler, bei denen meist Jungtiere der Nachbarhorde getötet wurden.

Forscher vermuteten schon länger, dass gewaltbereite Schimpansen Mitglieder anderer Gruppen ermorden, um ihren Lebensraum zu erweitern. Nach einer zehnjährigen Studie zu einer Schimpansengemeinschaft haben John Mitani von der University of Michigan in Ann Arbor und seine Kollegen den Beweis für diese Hypothese erbracht. Von 1999 bis 2008 beobachteten sie eine aus über 150 Individuen bestehende Gruppe im Kibale-Nationalpark in der Nähe von Ngogo in Uganda. Für diesen Zeitraum dokumentierten sie 18 Angriffe der Schimpansen mit Todesfolgen auf ihre Nachbarn. Zudem fanden sie Anzeichen dreier weiterer Überfälle. Im Sommer 2009 begannen die Primaten damit, das von der Nachbarhorde gesäuberte Gebiet zu nutzen. Sie durchstreifen die eroberte Region und verhielten sich dabei wie im eigenen Territorium: Sie pflegten ihre sozialen Kontakte und fraßen sich an ihren Lieblingsfrüchten und -nüssen satt.

Bei der Durchführung der Attacken auf die Nachbarn zeigten die Schimpansen jedes Mal ähnliche Verhaltensweisen. In einen Fall beobachteten die Wissenschaftler eine Gruppe von 27 Männchen und einem Weibchen. Die Affen organisierten heimliche Patrouillen durch das feindliche Gebiet und schlossen sich zu einer schlagkräftigen Truppe zusammen. Nach zwei Stunden trafen die Schimpansen auf eine kleine Gruppe von Weibchen der benachbarten Gemeinschaft. Sofort nach der Entdeckung attackierten die Männchen der Patrouille die weiblichen Affen, von denen zwei zudem noch Säuglinge mit sich trugen. Die Patrouille tötete schnell eines der Kinder und kämpften dann 30 Minuten lang, um das zweite Jungtier von seiner Mutter zu trennen. Weil sie dabei erfolglos waren, nahmen sie die Mutter mit Kind gefangen und rasteten für eine Stunde, bis sie erneut zum Angriff übergingen. „Sie haben das Kind nicht bekommen, aber sie haben es schwer verletzt. Wir glauben nicht, dass es überlebt hat“, berichtet Co-Autorin Sylvia Amsler.

Die Forscher sind der Ansicht, dass sich die Angriffe nach kurzer Zeit auf die Säuglinge konzentrieren, da sie ein leichteres Ziel als ausgewachsene Tiere darstellen. Bei den meisten der dokumentierten Attacken im Kibale-Nationalpark sind Affensäuglinge getötet worden.

John Mitani (University of Michigan, Ann Arbor) et al.: Current Biology, Bd. 20, Nr. 12 ddp/wissenschaft.de ? Gwydion Brennan
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