Interview mit einem Molch "Prominent zu sein, ist mir wurscht" - wissenschaft.de
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Interview mit einem Molch

„Prominent zu sein, ist mir wurscht“

Der Axolotl über das plötzliche Medieninteresse, übergriffige Wissenschaftler und Parallelen zu Roberto Blanco. Guten Abend, Herr Molch! Holla, Sie sind schon der Dritte in dieser Woche! Rufen Sie auch wegen dieses komischen Romans an, wie heißt er noch …? Axolotl Roadkill. Ah ja. Aber wenn ich das richtig mitbekommen habe, geht es in dem Roman ja gar nicht um mich. Ich komme nur ganz am Rande vor. Richtig. Sie dienen vor allem als Metapher –

Holla, Sie sind schon der Dritte in dieser Woche! Rufen Sie auch wegen dieses komischen Romans an, wie heißt er noch …?

Axolotl Roadkill.

Ah ja. Aber wenn ich das richtig mitbekommen habe, geht es in dem Roman ja gar nicht um mich. Ich komme nur ganz am Rande vor.

Richtig. Sie dienen vor allem als Metapher – fürs Nicht-Erwachsenwerden. Weil Sie keine Metamorphose durchmachen wie normale Lurche, sondern Ihr ganzes Leben im Larvenstadium verharren.

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Hey, was soll das heißen, nicht erwachsen? Wir pflanzen uns fort, wir gehen auf die Jagd, wir machen alles, was andere Molche auch tun. Nur bleiben wir eben unser ganzes Leben lang im Wasser.

Jedenfalls sind Sie jetzt berühmt.

Naja, B-Prominenz, so sagt man wohl. Ist mir wurscht. Die Experten dagegen, die Aquarienfreunde, die haben uns schon immer gemocht. Wir machen’n bisschen einen auf Ethno-Clown. Ein Axolotl gilt als exotisch, lustig und pflegeleicht – der Roberto Blanco der Aquaristik. Aber vielleicht hat der Ruhm auch positive Seiten. Er wird unsere Mission erleichtern.

Welche Mission?

Wir möchten den Menschen in Deutschland beibringen, den Molch neu zu denken. Das ist alles so existentialistisch hier.

Wie meinen Sie das denn nun wieder?

Ich habe neulich ein furchtbar negatives Gedicht gelesen. „Ich möcht nicht länger Molch sein / drum stoß ich mir den Dolch rein“. Das ist doch schlimm, so was!

Verstehe. Und da wollen Sie die depressiven Mitteleuropäer ein bisschen aufmuntern. Wie sind Sie denn überhaupt hierher gelangt?

Wir haben uns vor 200 Jahren von einem deutschen Forschungsreisenden mitnehmen lassen. Alexander von Humboldt. Verrückter Typ! Der hat sich wohl ein bisschen in uns verguckt.

Sie sind aber tatsächlich skurril, mit ihrem großen Kopf und den lustigen Antennen.

Von wegen Antennen, Sie Banause! Das sind meine Kiemenäste! Die brauche ich zum Atmen. Jedenfalls, dieser Forscher war wohl auch fasziniert davon, dass wir verletzte Organe oder Gliedmaßen nachwachsen lassen können.

Das kann der Strudelwurm Dugesia auch.

Dugesia! Dieses Unterschichts-Würmchen! Lächerlich. Das ist überhaupt nicht mit uns zu vergleichen. Wir sind Wirbeltiere, wir sind viel komplexer gebaut.

Und was ist nun der Trick bei der Sache?

Wird nicht verraten. Ist schon schlimm genug, wie die Wissenschaftler uns unsere anderen Geheimnisse zu entreißen versuchen. Die zwingen manche von uns zur Metamorphose! Spritzen den Kollegen Hormone, und dann verlassen sie das Larvenstadium und spazieren an Land herum, als wären sie Salamander. Und dann verhungern sie jämmerlich, wir können nämlich an Land nichts fressen.

Sind Sie nicht von Natur aus auch dunkelhäutig?

Unsere wilden Kollegen, ja. Da, wo wir herstammen. Im Xochimilco-See. Ah, süße Heimat! Aber da wird es leider immer schwieriger. Zu viel Lärm, zu viel Dreck, zu wenig Sauerstoff im Wasser. Unsere frei lebenden Kollegen sind akut gefährdet! Naja, und wir im Aquarium werden dann im Lauf der Zeit eher hellhäutig. Darf ich übrigens zum Schluss auch mal etwas fragen? Dieser Roman – taugt er nun eigentlich was?

Nein.

GESPRÄCH: MARTIN RASPER

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