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Löwenzahn schützt sich mit Abwehrstoff vor gefräßigen Larven

Pusteblume mit Wurzel-Schutz

Löwenzahn
Der Löwenzahn ist selbst gegen gefräßige Larven gut geschützt. (Foto: Alesikka/ Fotolia)
Der Löwenzahn ist ein Allerweltskraut: Kaum eine Wiese, in der er nicht wächst – und gegen Fraßfeinde scheint er fast immun. Wie sich die Wurzeln des Löwenzahns vor den gefräßigen Larven des Maikäfers schützen, haben Forscher nun herausgefunden: Ein Stoff in der bitteren Milch schreckt ab.

Den Löwenzahn kennt bei uns jedes Kind: Unverkennbar sind die gelben Blüten, die später zu den beliebten „Pusteblumen“ werden. Mit dem Wind verteilt, scheinen die Samen des Allerwelts-Gewächses fast überall zu gedeihen. Der Löwenzahn wächst dabei mit einer solchen Kraft, dass er selbst Asphalt durchdringen kann. Er ist damit fast schon zu einem Symbol für das Überleben in der modernen Großstadt geworden.

Angriff von unten

Doch so allgegenwärtig der Löwenzahn auch ist – auch er muss sich gegen Fraßfeinde zur Wehr setzen. Gefahr droht ihm dabei besonders von unten. Denn seine dicke, saftige Wurzel ist die Lieblingsspeise der Maikäferlarven. Sie verbringen drei Jahre lang als Engerling unter der Erde und fressen sich dort an Pflanzenwurzeln satt. Besonders gerne tun sie sich dabei an der Löwenzahnwurzel gütlich. Die Pflanze aber hat gegen die gefräßigen Larven im Laufe der Zeit eine Abwehr gebildet: ihre bittere Milch.

In dem als Latex bezeichneten milchigen Saft des Löwenzahns sind neben sekundären Abwehrstoffen wie Terpenen und Phenolen auch viele Bitterstoffe enthalten. Gegen viele Insekten und auch die Maikäferlarven reicht dieser Saft aus, um sie in die Flucht zu schlagen. Aber warum? Meret Huber vom Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena hat gemeinsam mit Kollegen der Universität Bern untersucht, was diesen bitteren Saft so wirksam gegen den Larvenfraß macht.

Überraschung in der Löwenzahn-Milch

Substanz für Substanz testeten die Forscher, welcher Inhaltsstoff des Latex-Safts die Maikäferlarven vom Fressen der Löwenzahnwurzeln abhält. Dafür mischten sie ihnen diese Substanzen unter das Futter. Das überraschende Ergebnis: Nur ein bestimmter Stoff in der Milch ist für die abschreckende Wirkung verantwortlich. Wurde die Substanz mit dem Kürzel TA-G in ökologisch relevanten Mengen einer künstlichen Larvennahrung beigemengt, fraßen die Engerlinge weniger.

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„Dass eine einzige chemische Verbindung ausreicht, um die Pflanze gegen den Engerling zu schützen, ist eine Überraschung“, sagt Jonathan Gershenzon vom Max-Planck-Institut. „Der Latex von Löwenzahn und anderen Pflanzen enthält so viele unterschiedliche Substanzen, dass es uns eher unwahrscheinlich erschien, dass eine davon allein eine so herausragende Rolle bei der Insektenabwehr spielen kann.“

Maikäferlarve

Eine Maikäferlarve mit ihrer Lieblingsspeise: der Wurzel eines Löwenzahns. (Foto: © MPI f. chemische Ökologie, PLOS Biology/ M. Huber)

Patent der Natur

Doch genauso ist es: Blockierten die Forscher bei Löwenzahnpflanzen die Synthese der TA-G-Substanz, waren diese der Fressgier der Maikäfer-Larven schutzlos ausgeliefert. Und auch ein Experiment im Garten stützte dies: Die Löwenzahn-Pflanzen, die in ihrer Milch von Natur aus besonders viel TA-G enthielten, waren gesünder und vermehrten sich auch stärker als ihre weniger gut geschützten Artgenossen.

Der Löwenzahn hat damit nicht nur die Forscher überrascht – er erweist sich einmal mehr als Überlebenskünstler und geniale Erfindung der Natur. Und auch uns kann er sehr nützlich sein. Denn die in seiner Milch enthaltenen Stoffe sind auch pharmazeutisch interessant und gelten sogar teilweise als vielversprechende Wirkstoffe gegen Krebs.

Quelle: Max-Planck-Gesellschaft, Fachartikel: PLOS Biology, doi: 10.1371/journal.pbio.1002332

© natur.de – Nadja Podbregar
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