Raben zeigen vorausschauende Disziplin - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Umwelt+Natur

Raben zeigen vorausschauende Disziplin

17-07-13 Rabe.jpg
Ein Rabe wirft einen Stein in einen Futterspender. (Bild: Can Kabadayi and Mathias Osvath)
Erneut haben die Raben ihren Ruf als gefiederte Schlauköpfe unter Beweis gestellt: Sie planen nicht nur raffiniert voraus, sondern verzichten sogar auf sofortige Belohnungen, wenn ihnen dadurch zukünftig noch feinere Leckerbissen zugänglich werden. Es handelt sich dabei um komplexe kognitive Leistungen, die bisher nur von Menschen und Menschenaffen bekannt waren. Offenbar hat die Evolution gleich zweimal unabhängig voneinander einen vorausschauend-berechnenden Verstand hervorgebracht, sagen die Forscher.

Lange hieß es: Tiere leben ausschließlich im hier und jetzt – nur wir Menschen denken an die Zukunft, planen und zeigen berechnende Verhaltensweisen. Doch Studien der vergangenen Jahrzehnte haben gezeigt, dass diese Intelligenzleistungen nicht wirklich exklusiv menschlich sind: Auch unsere nächsten Verwandten im Tierreich – die Menschenaffen – sind in einem gewissen Rahmen zu solchen Verhaltensweisen fähig. Weiteren Studien offenbarten zudem: Es gehören auch noch andere Vertreter zum Club der Zukunftsplaner – die „Intelligenzbestien“ unter den Vögeln. Versuche dokumentierten, dass einige Rabenvögel ebenfalls vorausschauend handeln können.

Die Zukunft im Sinn

Belegt war diese Fähigkeit  bisher allerdings nur im Zusammenhang mit Nahrung – was zum natürlichen Verhalten der Rabenvögel passt. Unklar blieb jedoch, ob sich die Planungsfähigkeiten von Kolkrabe, Elster und Co auch auf „unnatürliche“ Gegenstände wie Werkzeuge erstrecken. Mit anderen Worten: Es schien fraglich, ob die schlauen Vögel ein generelles Verständnis von zukünftigem Nutzen besitzen.

Dieser Frage sind die Forscher um Can Kabadayi und Mathias Osvath von der Lund-Universität nun durch Experimente mit Kolkraben nachgegangen. Sie brachten ihren gefiederten Probanden zunächst bei, spezielle Steine in einen Mechanismus zu werfen, um an ein Stück Futter zu gelangen. Wurden sie anschließend mit einer Auswahl von Gegenständen konfrontiert, nahmen sich die Tiere bevorzugt einen geeigneten Stein, auch wenn sie ihn nicht gleich benutzen konnten, sondern erst später.

Berechnender Verzicht

Nach diesen Erfolgen hoben die Forscher die Latte an. Sie brachten den Vögeln dazu zunächst ein Konzept des Tauschhandel bei: Mit einem Flaschendeckel konnten sich die Raben ein Futterstück „kaufen“. Anschließend präsentierten die Forscher den Vögeln erneut eine Auswahl an Gegenständen, von denen sie sich nur eines nehmen durften. Wie zu erwarten war, schnappten sich die cleveren Schwarzröcke nun den kostbaren Flaschendeckel aus dem Sortiment. Der Clou dabei war allerdings: Unter den angebotenen Gegenständen war auch ein verlockendes Futterstück. Doch in diesem Fall zeigten die Tiere berechnende Disziplin: Sie verschmähten den Leckerbissen zu Gunsten des Flaschendeckels. Der Grund: Sie wussten, dass das sofort verfügbare Futterstück kleiner war als derjenige Brocken, den sie beim späteren Tauschhandel im Gegenzug für den Flaschendeckel erhalten würden.

Anzeige

Den Forschern zufolge belegen die Experimente: Die Fähigkeiten der Raben zum vorausschauenden Denken und zum berechnenden Handeln können sich mit denen von Menschenaffen messen beziehungsweise überragen sie sogar beim Aspekt des Tauschhandels. Den Forschern zufolge ist dabei besonders bemerkenswert, dass sich diese Intelligenzleistungen offensichtlich unabhängig voneinander in den Entwicklungslinien der Vögel und Säugetiere entwickelt haben. Auf einen gemeinsamen Ursprung gehen sie wohl kaum zurück: Der letzte gemeinsame Vorfahre von Menschenaffen und Rabenvögeln lebte vor über 300 Millionen Jahren, betonen die Wissenschaftler.

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Liken und keine News mehr verpassen!

Anzeige

"Wolkenfraß" gibt Rätsel auf

Forscher entdecken neuartigen, seltsam geradlinigen Wolkenschwund vor Afrikas Westküste weiter

Schadet Handystrahlung dem Gedächtnis?

Studie findet Einbußen im figuralen Gedächtnis bei vieltelefonierenden Jugendlichen weiter

Pseudo-Fachjournale auf dem Vormarsch

Mehr als 5.000 deutsche Forscher haben schon in "Predatory Journals" publiziert weiter

Simples Rezept gegen Kurzsichtigkeit?

Invertierter Text könnte das lesebedingte Augapfel-Wachstum hemmen weiter

Wissenschaftslexikon

heiß|um|strit|ten  auch:  heiß um|strit|ten  〈Adj.〉 heftig, sehr umstritten ... mehr

Au|gen|fal|ter  〈m. 3; Zool.〉 Angehöriger einer Familie der Tagfalter mit hellen, auffälligen Augenringen: Sytyridae

quan|ten|phy|si|ka|lisch  〈Adj.; Phys.〉 die Quantenphysik betreffend, auf ihr beruhend

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige