Wetterbedingungen waren mitschuld am Massensterben der Antilopen Rätsel des Saiga-Sterbens gelöst - wissenschaft.de
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Wetterbedingungen waren mitschuld am Massensterben der Antilopen

Rätsel des Saiga-Sterbens gelöst

Saiga
Saiga-Antilope in der kasachischen Steppe  (Foto: Zoologische Gesellschaft Frankfurt/ Daniel Rosengren)
An dem dramatischen Massensterben der Saiga-Antilopen in Kasachstan im Mai 2015 war auch das Klima schuld. Denn erst das warm-feuchte Wetter schwächte die Tiere so, dass eine Infektion zur tödlichen Seuche wurde. Das aber bedeutet: In Zukunft könnten solche Massensterben häufiger werden.

Noch in den 1970er Jahren zogen zwei Millionen Saiga-Antilopen durch die Steppe Zentralasiens. Doch in den letzten Jahrzehnten ist ihre Zahl durch Verlust des Lebensraums und intensive Bejagung dramatisch geschrumpft. Anfang 2015 gab es deshalb nur noch knapp 250.000 Saigas in Zentralasien. Und dann kam die Katastrophe: Im Mai 2015 raffte ein mysteriöses Massensterben innerhalb von nur wenigen Wochen rund 200.000 Saigas in der zentralkasachischen Steppe dahin.

Fahndung nach den Ursachen

Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern haben seitdem versucht, die Ursachen dieses ungewöhnlichen Massensterbens aufzudecken. Proben der toten Tiere hatten schon früh enthüllt, dass eine Infektion die unmittelbare Todesursache der Saiga-Antilopen war. Das Bakterium Pasteurella multocida hatte eine schwere Blutvergiftung ausgelöst, die die Tiere innerhalb weniger Stunden qualvoll verenden ließ. Das Seltsame daran: Das Bakterium kommt von Natur aus in den Atemwegen der Saigas vor und ist dort völlig harmlos.

Was also hat aus dem bis dato harmlosen Bakterium einen derartigen Killer gemacht? Richard Kock vom Royal Veterinary College in London und sein internationales Team sind dieser Frage nachgegangen. Dafür unterzogen sie direkt nach der Epidemie lebende und tote Saigas einer gründlichen Analyse. Sie testeten auf Krankheitserreger, Nährstoff- und Mineralzustand, bezogen aber auch Umweltfaktoren und vor allem das Klima bei diesem und zwei früheren, weniger schlimmen Massensterben mit ein.

Klima als Mitschuldiger

Es zeigte sich: Bei jedem der drei Massensterben war es in den Tagen vor dem Ausbruch der Epidemie besonders warm und feucht. Wie die Forscher feststellten, erkrankten die Saigas jedes Mal fast nur in den Gebieten, in denen während der Kalbungszeit überdurchschnittlich hohe Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit herrschten. Gerade während dieser Zeit aber sind die Saigas besonders geschwächt und anfällig für Infektionen, wie Kock und seine Kollegen erklären.

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Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese ungünstige Kombination von einzeln harmlosen Faktoren das Massensterben ausgelöst hat: Das für die Antilopen ungünstige Klima führte dazu, dass ihr Immunsystem geschwächt wurde und dadurch wuchs sich der normalerweise harmlose Befall mit dem Bakterium zu einer tödlichen Seuche aus. „Diese Ergebnisse lösen nicht nur ein Rätsel, sondern helfen uns auch hoffentlich, den Schutz der Saigas zu verbessern“, sagt Steffen Zuther, Projektleiter der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt.

Keine guten Aussichten?

Allerdings: Die Klimaprognosen für Zentralasien wecken auch die Besorgnis der Biologen. Denn die globale Erwärmung soll auch für diese Region erhöhte Temperaturen bringen. Zudem zeigen Beobachtungen, dass auch die Frühjahrsniederschläge im Norden Kasachstans seit 1980 zugenommen haben. Dadurch könnte es in Zukunft immer häufiger zu ungünstigen, seuchenauslösenden Wetterbedingungen kommen. Hinzu kommt: Neben dem Klima setzen auch Wilderei und die Zerschneidung ihres Lebensraums den Saigas zu.

„In Anbetracht all dieser Bedrohungen ist es denkbar, dass ein erneutes Massensterben die Saiga-Population auf ein Niveau dezimieren könnte, von dem aus eine Erholung der Art unmöglich wird. Nur wenn wir auf lange Sicht große Bestände haben, kann die Saiga-Antilope auf Dauer überleben“, sagt Steffen Zuther.

Quelle: Zoologische Gesellschaft Frankfurt, Fachartikel: Science Advances, doi: 10.1126/sciadv.aao2314

© natur.de – Nadja Podbregar
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