Was bestimmt die tierische Bauchgröße? - wissenschaft.de
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Nachgefragt Umwelt+Natur

Was bestimmt die tierische Bauchgröße?

Bei den Säugetieren haben Vegetarier im Durchschnitt etwa doppelt so große Rumpfhöhlen wie fleischfressende Arten. (Bild: Flusspferd, Leopardinatree/iStock)

Manche wirken ausgesprochen schlank, andere Tiere erscheinen hingegen dick und rundlich. Welche Eigenschaft prägt bei den Wirbeltieren die Größe ihrer Bauchhöhle – sind Vegetariern immer besonders dick? Auf dieses Thema hat uns Stephan B. aufmerksam gemacht – vielen Dank dafür! Zur Klärung dieser Frage haben Forscher die proportionalen Ausmaße der Rumpfhöhlen von heutigen sowie fossilen Tieren verglichen – vom Känguru bis zum Raubsaurier. Bei den Säugetieren bestätigten die Ergebnisse tatsächlich klar die Annahme, dass Pflanzenfresser dickere Bäuche besitzen als Fleischfresser. Doch diese Regel gilt überraschenderweise nicht für alle Tiergruppen.

Ob Nagetier, Vogel oder Dinosaurier – der Körperbauplan aller Landwirbeltiere ist im Prinzip ähnlich. Die sogenannten Tetrapoden haben im Laufe der Evolution aus diesem Grundbauplan vielfältige Körperformen und Größen entwickelt, um sich unterschiedlichen Anforderungen anzupassen, die auch ihre jeweilige Ernährungsweise mit sich bringt. Erstaunlicherweise wurden die möglichen Zusammenhänge erst vergleichsweise kürzlich untersucht, denn bisher galt schlicht die Annahmen: Da Pflanzen in der Regel weniger gut verdaulich sind als Fleisch, benötigen Pflanzenfresser größere Därme und besitzen deshalb voluminösere Bäuche. Doch ist das denn wirklich so? Dieser Frage haben sich Forscher aus Deutschland, Großbritannien und der Schweiz gewidmet.

Deutliche Regel bei den Säugetieren

Die Forscher haben dazu die Form von Brust und Bauch von über 120 Landwirbeltieren aus der Urzeit bis heute systematisch erfasst: Mithilfe von Fotogrammetrie und Computer-Bildgebungsverfahren erstellten die Wissenschaftler eine 3D-Datenbank für Skelette von Säugetieren und fossile säugetierähnliche Reptilien sowie von Dinosauriern, Reptilien und Vögeln. Anhand der computergestützten visuellen Auswertung dieser Daten rekonstruierten sie das Volumen des Brust-Brauch-Raumes, der durch Wirbelsäule, Brustkorb und Becken abgegrenzt ist.

In der Studie wurden 3-D-Simulationen von 120 Tierskeletten von der Urzeit bis heute untersucht. (Bild: UZH)

Es zeigte sich: Bei den Säugetieren haben Pflanzenfresser im Durchschnitt einen zweimal so großen Brust-Bauch-Raum wie Fleischfresser ähnlicher Körpergröße. „Dies ist ein deutlicher Hinweis dafür, dass pflanzenfressende Säugetiere tatsächlich größere Därme haben“, erklärt Marcus Clauss von der Universität Zürich. Sein Kollege Bernd Herkner Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt fährt fort: „Für uns überraschend war, dass sich dieses Muster nicht bei den anderen untersuchten Landwirbeltiergruppen widerspiegelt – am wenigsten unter den Dinosauriern“. Ob pflanzenfressender Triceratops oder räuberischer T . rex – die Ausmaße der Dino-Bäuche unterscheiden sich den Auswertungen zufolge kaum anhand der Ernährungsweise.

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Bauchiges Rätsel

Warum die Bauch-Regel nur für Säugetiere gilt, ist eine interessante Frage, die es nun noch zu klären gilt. „Der Befund bedeutet möglicherweise, dass es einen grundlegenden Unterschied bei den morphologischen Prinzipien zwischen den Säugetieren und anderen Tetrapoden gibt“, sagt Clauss. Das Wissenschaftlerteam vermutet, dass der unterschiedliche Grad der Ausdehnung anderer Organsysteme, etwa der Lunge, eine Rolle hinsichtlich der Größe des Rumpfvolumens spielen könnte.

Quelle: Universität Zürich, Journal of Anatomy, doi:10.1111/joa.12557

Wenn Sie auch eine Frage oder einen Themavorschlag für unsere Rubrik „Nachgefragt“ haben, schicken Sie uns einfach eine E-Mail an: fragen@wissenschaft.de

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