Rampenlicht an für die bedrohten Gibbons - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Rampenlicht an für die bedrohten Gibbons

Weißwangen-Gibbon-Familie mit Kind. Männchen (links) und Weibchen (rechts) unterscheiden sich im Aussehen. (Bild: 49pauly/stock)

Wilderei und Lebensraumverlust machen ihnen schwer zu schaffen: Die Gibbons sind genauso gefährdet wie Gorillas, Schimpansen und Orang-Utans – bekommen aber viel weniger Aufmerksamkeit, beklagt die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. (ZGAP). Um die sogenannten kleinen Menschenaffen und ihre Bedrohung nun mehr ins Rampenlicht zu rücken, hat die Organisation den Gibbon zum „Zootier des Jahres 2019“ gewählt.

Sie hangeln sich mit ihren langen Armen durch Waldgebiete in Südostasien und verschaffen sich dabei durch charakteristische Gesänge Gehör. Die Gibbons sind faszinierende Vertreter der Primaten – und gehören sogar zu unserer engsten Verwandtschaft: Sie bilden eine Schwestergruppe der Menschenaffen. Auf dem Boden bewegen sie sich wie Menschen im aufrechten Gang fort. Weitere Besonderheiten sind, dass sie in monogamen Familienstrukturen leben und sehr „heimatverbunden“ sind: Sogar wenn sie stark gestört werden, bleiben sie ihrem Territorium treu und wandern nicht ab – was ihnen leider häufig zum Verhängnis wird: Alle der rund 20 Gibbon-Arten werden als „bedroht“ oder „gefährdet“ eingestuft.

Wie lange werden sie noch singen?

Die Tiere leiden sehr unter der Zerstörung ihres Lebensraums und unter der Verfolgung durch den Menschen: Sie werden gegessen, zu chinesischer Medizin verarbeitet oder gefangen, um als Heimtiere zu enden. „In China sind allein in den vergangenen 20 Jahren zwei Arten für immer verschwunden, vom Menschen vollständig ausgerottet“, sagt Sven Hammer von der ZGAP. „Dieses Schicksal wollen wir den verbleibenden Gibbonarten unbedingt ersparen“, erklärt die Tierschützerin den Hintergrund der Wahl zum „Zootiers des Jahres“.

Bereits seit 2016 macht die Artenschutzkampagne auf bedrohte Arten aufmerksam und ruft zu Spenden für Projekte auf. Ziel der diesjährigen Aktion ist es, die koordinierten Erhaltungszuchtbemühungen der Zoologischen Gärten und Schutzprojekte für Gibbons in ihrer Heimat zu unterstützen. Dazu sammeln die beteiligten Partner Spenden. „Wir wollen unsere Kräfte bündeln, um möglichst viel für die Gibbons tun zu können“, sagt Viktoria Michel, Projektkoordinatorin der „Zootier des Jahres“- Artenschutzkampagne. „Dazu haben wir zwei Projekte ausgewählt, die mit den gesammelten Mitteln den Schutz der Gibbons noch effektiver durchführen können.“

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„Projekt Anoulak“ schützt die Gibbons in Laos

Bei dem einen handelt es sich um ein Projekt in Laos. Es dient dem Schutz eines der letzten großen zusammenhängenden Waldgebiete in Südost-Asien: dem 3500 Quadratkilometer großen Nakai-Nam Theun. Das Schutzgebiet beherbergt zahlreiche endemische und stark bedrohte Arten – so auch Gibbons: Hier leben die Nördlichen (Nomascus leucogenys) und die Südlichen Weißwangen-Schopfgibbons (Nomascus siki). Im Rahmen des Projekts Anoulak soll die Wilderei bekämpft werden. Dazu patrouillieren 24 ausgebildete Ranger durch den Wald, die durch die lokale Regierungsbehörde unterstützt werden.

Im zweiten Projekt, das im Rahmen der Aktion „Zootier des Jahres 2019“ unterstützt werden soll, geht es um das Überleben des Nördlichen Gelbwangen-Schopfgibbons (Nomascus annamensis): Nur noch etwa 800 dieser Tiere leben in Zentralvietnam. Ziel des dortigen Projekts ist es, den verbliebenen Lebensraum der Gibbons unter Schutz zu stellen und so das Überleben dieser Art zu sichern. Dazu sollen zwei bestehende Schutzgebiete miteinander verbunden werden und ein weiteres großes und bislang weitgehend unerforschtes Waldgebiet angefügt werden. Als Ergebnis soll ein Gibbon-Schutzgebiet von über 120.000 Hektar Fläche entstehen.

Weitere Informationen und Möglichkeiten der Unterstützung der Projekte finden Sie unter  https://zootierdesjahres.de/

Quelle: Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. (ZGAP)

 

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