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Ratten wissen, was sie nicht wissen

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Auch Ratten denken nach - über ihre eigenen Fähigkeiten. Foto: Dot Paul, Universität von Georgia
Wenn Ratten eine Aufgabe gestellt bekommen, bewerten sie zuerst, ob sie ausreichend Informationen für die Lösung besitzen, hat ein amerikanisches Forscherduo entdeckt. Ist das nicht der Fall, entscheiden sich die Nagetiere eher dafür, nicht am Test teilzunehmen, obwohl sie dadurch weniger gewinnen als bei einer richtigen Lösung der Aufgabe. Damit sind Ratten neben den Primanten nach bisherigem Wissen die einzigen Tiere, die die Fähigkeit besitzen, über ihre eigenen Denkprozesse nachzudenken und diese auch zu beurteilen.

Metakognition nennen Psychologen die Fähigkeit, sich des eigenen Wissens und Denkens bewusst zu sein. Sie sorgt beispielsweise dafür, dass sich ein nicht gut vorbereiteter Student vor einer Prüfung sehr unwohl fühlt, weil er sehr genau um die eigenen Wissenslücken weiß. Ob auch Tiere dazu in der Lage sind, ist unter Wissenschaftlern umstritten ? hauptsächlich deshalb, weil es nicht möglich ist, die tierischen Probanden direkt zu fragen. Die Psychologen Allison Foote und Jonathon Crystal wählten daher nun eine bereits bei Primaten getestete indirekte Methode, um bei ihren Ratten nach Anzeichen von Metakognition zu suchen: Sie ließen die Tiere frei wählen, ob sie an einem Test teilnehmen wollten oder nicht.

Dazu brachten sie den Nagetieren zuerst bei, lange und kurze Geräusche zu unterscheiden. Nach diesem Training wurden die Ratten dann vor zwei Alternativen gestellt: Nahmen sie am Test teil und bewältigten die Aufgabe, bekamen sie eine große Belohnung in Form von sechs Futterkügelchen. Lagen sie mit ihrer Antwort falsch, erhielten sie nichts. Entschieden sie sich dagegen von Anfang an gegen die Testteilnahme, bekamen sie drei Kügelchen Futter. Während der einzelnen Testreihen nahm der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben immer mehr zu. Waren die Geräusche mit acht und zwei Sekunden Länge zu Beginn sehr leicht zu unterscheiden, verminderte sich der Unterschied zwischen ihnen im Lauf der Versuche immer mehr, bis sich die beiden Geräusche mit 3,62 und 4,42 Sekunden Länge stark ähnelten.

Je schwieriger die Aufgaben wurden, desto häufiger entschieden sich die Ratten gegen eine Testteilnahme, beobachteten die Forscher. Wurden sie dennoch dazu gezwungen, lieferten sie sehr viel häufiger falsche Antworten als während der freiwilligen Teilnahme. Das zeige, dass die Tiere sehr wohl bereits vor dem Testbeginn einschätzen konnten, ob sie der Aufgabe gewachsen sein würden oder nicht. Demnach besitze das Gehirn einer Ratte und möglicherweise auch das anderer Tiere sehr viel komplexere Fähigkeiten als bisher angenommen, so die Forscher. Die Ergebnisse könnten nun helfen, Denkprozesse auch beim Menschen besser zu verstehen.

Allison Foote und Jonathon Crystal (Universität von Georgia, Athens): Current Biology, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1016/j.cub.2007.01.061 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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