Abholzung fördert Einzug von Ratten in den Wald Ratteninvasion im Regenwald - wissenschaft.de
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Abholzung fördert Einzug von Ratten in den Wald

Ratteninvasion im Regenwald

Hausratte
Hausratte (Rattus rattus) im Regenwald (Foto: Oliver Wearn)
Die Abholzung des Regenwalds zerstört wertvolle Ökosysteme. Aber selbst wenn vermeintlich schonend nur einige Bäume entfernt werden, kann das fatale Folgen haben. Denn die Rodung erleichtert es einer eingeschleppten Rattenart, sich in den Tropenwäldern auszubreiten.

Die Hausratte (Rattus rattus) ist bei uns längst etabliert und erweist sich als echter Anpassungskünstler. Doch genau dies macht sie in vielen anderen Teilen der Welt zu einem gefährlichen Eindringling. Von den Europäern eingeschleppt, breitet sie sich rasend schnell aus, verdrängt heimische Kleinsäuger und hat sogar schon lokal ganze Vogelarten ausgerottet. Auch Krankheiten wurden von den invasiven Ratten schon eingeschleppt.

Ratten dringen in Regenwald vor

Viele dichte, von alten Bäumen dominierte Regenwälder der Tropen waren bisher allerdings vor den Ratten weitgehend sicher. Denn weil nur wenig Licht bis zum Waldboden durchdringt, gibt es hier nur wenig schützendes Unterholz. Auf der Insel Borneo blieben die im englischen auch „Black Rat“ genannten Ratten daher meist in Siedlungsnähe.

Doch durch Abholzungen im Regenwald ändert sich dies nun, warnen Forscher um Rob Ewers von Imperial College London. Sie haben für ihre Studie die Bewegungen von mehr als 40 Ratten über längere Zeit verfolgt. Dabei zeigte sich: Dort, wo Regenwälder durch Abholzungen verändert und gestört waren, zogen auch die Ratten in den Wald.

Abholzung schafft günstige Bedingungen

„Die Abholzung erzeugt Mikrohabitate, die die Ratten lieben – und das hilft ihnen, sich dort auszubreiten“, erklärt Ewers. Denn werden Baumriesen gefällt, dann entstehen lichte Stellen im Regenwald, in denen dichtes Unterholz wächst. Zusammen mit liegengebliebenen Ästen und Baumresten bietet dies den eingeschleppten Ratten optimale Deckung.

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„Das sind schlechte Nachrichten für die einheimischen Kleinsäuger, die oft nicht mit den Ratten konkurrieren können, wenn es um Futter oder anderer Ressourcen geht“, sagt Ewers. Als Folge könnten die ursprünglichen Waldbewohner verdrängt werden – mit negativen Folgen für das gesamte Ökosystem des Regenwalds. Denn die heimischen Kleinsäuger leisten oft einen wichtigen Beitrag zur Verbreitung der Pflanzensamen und sind ihrerseits eine Nahrungsquelle für größere Tiere.

Die Forscher fordern daher, die Eingriffe in die Regenwälder möglichst zu minimieren – auch dort, wo das Abholzen legal ist. Dafür gebe es durchaus Möglichkeiten: „Oft reißen gefällte Baumriesen beispielsweise benachbarte Bäume gleich mit“, so Ewers. „Werden diese zurückgelassen, liefert das Totholz den Ratten perfekte Bedingungen.“ Daher sei es wichtig, beim Abholzen darauf zu achten, dass nur die Zielbäume gefällt werden – ohne „Kollateralschäden“ – und das Holz und die Baumreste komplett zu entfernen.

Quelle: Imperial College London

© natur.de – Nadja Podbregar
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