Raubzüge ins Rapsfeld - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Raubzüge ins Rapsfeld

Bereichert Agrarlandschaften: Eine junge Blühfläche in voller Blüte. (Foto: Fabian Bötzl)

Rapsfelder sind für viele Insekten ein gefundenes Fressen – zum Leidwesen der Landwirte. Doch statt wie bisher die chemische Keule einzusetzen, könnten schon viel einfachere und naturschonende Maßnahmen gegen die Schädlinge helfen. Eine Studie belegt, dass bereits Randstreifen mit Wildblumen und andere sogenannte Agrarumweltmaßnahmen vermehrt Feinde der Schadinsekten in die Felder locken. Sie tragen dann effektiv dazu bei, die Fraßschäden am Raps kleinzuhalten, wie die Forscher berichten.

Auf Rapsfeldern tummeln sich etliche Insekten, die bei Landwirten nicht gern gesehen sind. Der Rapsglanzkäfer zum Beispiel. Seine Larven ernähren sich von den Rapsblüten und fressen sie so stark ab, dass später keine Früchte entstehen und Ernteeinbußen drohen. Eine Vorliebe für Raps haben auch die Larven verschiedener Rüsselkäfer-Arten: Sie fressen sich in die Stängel der Pflanzen hinein und lassen diese verkümmern und absterben. Bisher werden diese hungrigen Insekten in der konventionellen Landwirtschaft meist chemisch bekämpft – durch Spritzen der Felder mit Insektiziden. Doch der intensive Einsatz von Pestiziden lässt die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft schwinden – und kann zudem nützlichen Insekten wie den Bienen zum Verhängnis werden.

Blumenwiese statt chemische Keule?

Nach einer Alternative haben daher Fabian Bötzl von der Universität Würzburg und seine Kollegen gesucht. Ihre Idee: Wenn man den räuberischen Feinden der Rapsschädlinge möglichst gute Bedingungen bietet, könnten diese zu Helfern gegen die Schadinsekten werden. Dazu gehören zum Beispiel Laufkäfer, Spinnen und andere räuberische Insekten, die am Boden leben. „Sie fressen die Larven der Schädlinge, wenn die sich zur Verpuppung auf den Boden fallen lassen“, erklärt Bötzls Kollege Jochen Krauß.

Die Forscher untersuchten auf 31 Versuchsflächen in der Umgebung von Würzburg, welchen Effekt Blühflächen und anderer sogenannte Agrarumweltmaßnahmen auf die nützlichen Räuber haben. Wie die Wissenschaftler erklären, ist das Anlegen solcher Flächen den Landwirten inzwischen vom Staat vorgeschrieben und auf den Fluren in Deutschland auch relativ gut etabliert. Für ihre Studie werteten Bötzl und seine Kollegen aus, welche Wirkung ältere und jüngere Blühflächen, ökologische Vorrangflächen und natürliche Kalkmagerrasen auf die Population der Räuber und ihre Fresslust in benachbarten Rapsfeldern haben. Sie fingen die Insekten mit Bodenfallen und bestimmten Anzahl und Artenreichtum. Der Versuch lief über drei Monate während der Wachstumsphase des Rapses, um den Effekt der natürlichen Schädlingskontrolle in dieser Zeit abschätzen zu können.

Käfer
Der Kupferfarbene Buntgrabläufer ist ein häufiger Nützling. (Foto: Fabian Bötzl)

Fressfeinde im Einsatz

Das Ergebnis: Schon vergleichsweise simple Maßnahmen wie das Anlegen einer Blühfläche tragen erheblich dazu bei, die Feinde der Rapsschädlinge zu fördern. „Auf solchen Arealen finden die Feinde der Rapsfresser dauerhaft gute Lebensbedingungen vor“, erklärt Co-Autor Ingolf Steffan-Dewenter von der Universität Würzburg. „Von dort können sie Raubzüge auf die Äcker unternehmen und die Larven der Schädlinge vertilgen.“ Tatsächlich wirkte sich die Nähe der Umweltflächen positiv auf die Rapsfelder und ihren Schädlingsbefall aus: „Wir fanden auf Rapsfeldern, die an Agrarumweltmaßnahmen grenzen, doppelt so viele räuberische Laufkäfer wie auf anderen Rapsfeldern“, sagt Bötzl. Dadurch waren auch noch im Folgejahr weniger Schädlinge auf den Feldern zu finden. Je näher die Umweltflächen dabei an den Feldern liegen, desto effektiver ist ihre Wirkung, wie die Forscher berichten.

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Interessant auch: „Die Effekte der Agrarumweltmaßnahmen sind nicht anders als die von naturnahen Habitaten. Das verdeutlicht den Wert dieser Maßnahmen für die Agrarlandschaft“, so Bötzl. Er empfiehlt, Blühflächen und andere Refugien für Tiere in der Agrarlandschaft strategisch und gleichmäßig zu platzieren – das fördere nicht nur Wildbienen und andere Bestäuber, sondern auch die natürlichen Feinde von Schädlingen. Die gefundenen Distanzeffekte könne man jetzt nutzen, um mit Modellberechnungen und Simulationen die optimale Bewirtschaftungsform zu finden.

Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Fachartikel: Journal of Applied Ecology, doi: 10.1111/1365-2664.13162

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