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Richtungsweisendes Winken im Mutterleib

Ob jemand Rechts- oder Linkshänder wird, lässt sich bereits in der frühen Schwangerschaft absehen: Die Hand, an dessen Daumen das Ungeborene schon im Bauch der Mutter lieber nuckelt, wird in den meisten Fällen im ganzen Leben die bevorzugte Hand bleiben. Das legen Untersuchungen britischer Psychologen nahe, über die das Wissenschaftsmagazin New Scientist berichtet (Ausgabe vom 24. Juli, S. 13). Diese Erkenntnis ist sehr überraschend, denn die gängigen Theorien gehen davon aus, dass sich Rechts- oder Linkshändigkeit erst im Alter von drei bis vier Jahren etabliert.

Peter Hepper von der Queen’s University in Belfast und seine Kollegen analysierten Ultraschallbilder von mehr als tausend Föten. Neun von zehn Ungeborenen bevorzugen in der 15. Schwangerschaftswoche ihren rechten Daumen zum Lutschen, beobachteten die Forscher. Das Leben von 75 dieser Kinder verfolgten die Wissenschaftler nach der Geburt weiter. Dabei fanden sie heraus, dass alle Kinder, die rechts genuckelt hatten, im Alter von 10 bis 12 Jahren Rechtshänder waren. Zwei Drittel der Kinder, die im Mutterleib den linken Daumen bevorzugt hatten, waren Linkshänder.

In einer weiteren Studie entdeckten die Wissenschaftler sogar schon in der 10. Schwangerschaftswoche Hinweise auf die Händigkeit: In dieser Zeit fuchteln die Ungeborenen mit einem ihrer Arme herum. Auch dabei bedienen sich die meisten schon ihres rechten Arms. Diese Vorliebe bleibt bis in die 24. Woche bestehen, wenn der Fötus zu groß wird und keinen Platz mehr zum Winken hat.

Die Ergebnisse von Hepper und seinen Kollegen stellen die gängige Theorie über die Entwicklung der Händigkeit in Frage. Diese geht davon aus, dass die Bevorzugung einer Seite ein Nebeneffekt der Gehirnentwicklung ist. Da im Laufe der Entwicklung die Hirnhälften unterschiedliche Aufgaben übernehmen, wird auch eine Körperseite bevorzugt benutzt. In dem frühen Entwicklungsstadium, in dem die Forscher bereits Anzeichen für Händigkeit beobachteten, hat das Gehirn jedoch noch gar keine Kontrolle über die Gliedmaßen. Somit könne diese Theorie nicht stimmen, sagen die Forscher.

Der umgekehrte Fall könne dagegen zutreffen, spekuliert Hepper: Der Fötus bevorzugt eine Seite, weil sich diese ein wenig schneller entwickelt. Die häufigen Bewegungen auf dieser Seite könnten dann zur ungleichen Entwicklung der beiden Hirnhälften führen. Andere Forscher wie Stephen Wilson von der Universität London stehen dieser Idee dagegen skeptisch gegenüber. Er hält es für wahrscheinlicher, dass es beim frühen Fötus Unterschiede in der Genaktivierung zwischen rechts und links gibt und dies schließlich zur Rechts- oder Linkshändigkeit führt.

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Mon|ta|nist  〈m. 16; Bgb.〉 Sachverständiger in Bergbau u. Hüttenwesen [→ montan ... mehr

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