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Nachgefragt Umwelt+Natur

Wie schlafen Elefanten?

Elefanten sind riesige Rekordkurzschläfer. (Foto: Stephen_Edwards/iStock)
Ein riesiger Körper braucht viel Erholung, könnte man meinen – doch offenbar ist das Gegenteil der Fall: Das größte Landtier der Erde – der Afrikanische Elefant – ist der Rekordhalter unter den Kurzschläfern bei den Säugetieren: Die Dickhäuter schlafen im Durschnitt nur zwei Stunden pro Tag und oft bleiben sie auch durchgehend wach, dokumentiert eine Studie.

Warum müssen wir überhaupt schlafen? Erstaunlicherweise ist der Schlaf nach wie vor ein Mysterium. „Während es viele Hypothesen über die Funktion des Schlafes gibt, ist sein ultimativer Zweck noch zu entdecken“, sagt Paul Manger von der Universität von Witwatersrand. Klar ist: Der Mensch muss ausreichend schlafen, andernfalls drohen lebensgefährliche Schäden oder Leistungseinbußen. Es gibt individuelle Unterschiede, aber im Durchschnitt gelten etwa sieben Stunden als günstig. Was die typische Schlafdauer betrifft, gibt es im Tierreich allerdings eine enorme Bandbreite.

Große haben kleines Schlafbedürfnis

Dabei haben Vergleiche bereits eine klare Tendenz aufgedeckt: Größere Tiere brauchen meist weniger Schlaf als kleine. Doch trifft diese Regel auch für den Rekordriesen zu – den Afrikanischen Elefanten? Um dieser Frage nachzugehen, haben Manger und seine Kollegen das natürliche Schlafverhalten bei wildlebenden Dickhäutern untersucht.

Sie rüsteten dazu zwei Elefantenkühe aus dem Chobe Nationalpark in Botswana mit Mess-Halsbändern aus, die über einen GPS-Sender zur Lokalisierung und einen Aktivitäts-Datenlogger verfügten. Dieses Gerät erfasste vor allem die Bewegungen des Rüssels. Wenn dieses Werkzeug der Elefanten längere Zeit stillsteht, bedeutet das: Die Dickhäuter schlafen, erklären die Biologen.

Die Auswertungen ergaben: Im Durchschnitt schliefen die Elefanten-Damen nur zwei Stunden pro Tag und zwar meist in den frühen Morgenstunden. Es handelt sich den Forschern zufolge dabei um die kürzeste bekannte Schlafdauer bei einem Säugetier. Die Forscher dokumentierten zudem, dass die Elefanten-Damen manchmal auch für bis zu 46 Stunden durchgehend wach blieben. Den Beobachtungen zufolge war dies der Fall, wenn sich Raubtiere, Wilderer oder brünstige Elefantenbullen in ihrer Nähe aufhielten. Dann waren die Tiere offenbar buchstäblich wachsam.

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REM-Schlaf im Liegen

Wenn sie schliefen, standen die Tiere meist. Alle drei oder vier Tage und für etwa eine Stunde legten sie sich aber auch hin. Die Forscher vermuten, dass die Elefanten nur dann in den sogenannten REM-Schlaf kommen. Das bedeutet, dass sie möglicherweise nicht wie wir täglich träumen, sondern nur alle paar Tage. „REM-Schlaf (oder Träumen) ist bei uns für die Konsolidierung von Erinnerungen wichtig. Offenbar können Elefanten aber auch ohne REM-Schlaf Erinnerungen bilden, denn ihr gutes Gedächtnis ist ja geradezu sprichwörtlich“, sagt Manger.

„Das Verständnis, wie verschiedene Tiere schlafen, ist aus zwei Gründen wichtig, betont der Wissenschaftler: „Erstens hilft es uns, die Tiere selbst zu verstehen und neue Informationen zu sammeln, die der Entwicklung besserer Management- und Erhaltungsstrategien zugute kommen können. Und zweitens liefern derartige Untersuchungen Informationen für die Schlafforschung: Wie verschiedene Tiere schlafen und warum sie es tun, hilft uns zu verstehen, wie und warum Menschen schlafen und es ergeben sich möglicherweise Hinweise dazu, wie wir besseren Schlaf bekommen könnten“, so der Wissenschaftler.

Originalarbeit der Forscher:

Wenn Sie auch eine Frage oder einen Themavorschlag für unsere Rubrik „Nachgefragt“ haben, schicken Sie uns einfach eine E-Mail an: fragen@wissenschaft.de

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