Riff-Sanierung per Unterwasserlautsprecher - wissenschaft.de
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Riff-Sanierung per Unterwasserlautsprecher

Tim Gordon installiert einen Unterwasserlautsprecher in einem Korallenriff. (Bild: Harry Harding, Universität Bristol)

Tote Korallen, wuchernde Algen und kaum noch Bewohner – ein geschädigtes Korallenriff braucht Zuwanderer, um sich zu erholen. Doch wie kann man Jungfische dazu bewegen, die unattraktive Einöde wiederzubeleben? Offenbar durch eine optimierte Geräuschkulisse, zeigt eine Studie. Neue Bewohner lassen sich demnach durch Unterwasserlautsprecher herbeirufen, die dem maroden Lebensraum den Klang eines gesunden Riffs verleihen. Die Neuankömmlinge können dann dazu beitragen, dass sich dieser Höreindruck nach und nach auch natürlicherweise wieder einstellt, sagen die Wissenschaftler.

Üppige Unterwassergärten voller bunter Meerestiere – die Korallenriffe der Welt sind faszinierende Naturwunder und besitzen weitreichende Bedeutung in den komplexen Beziehungen der marinen Lebewesen. Doch diese kostbaren Ökosysteme sind extrem bedroht. Vor allem der Klimawandel macht den Korallenriffen der Welt zu schaffen:
Durch Hitzewellen in der Unterwasserwelt kommt es immer häufiger zu einem verheerenden Absterben von Korallen, von denen sich die komplexen Lebensgemeinschaften der Riffe nur sehr langsam erholen.

Fischige Schlüsselfaktoren

Bereits seit einiger Zeit suchen Wissenschaftler nach Möglichkeiten, diese Regenerationsprozesse zu fördern. Wie die Forscher um Tim Gordon von der University of Exeter erklären, ist ein wichtiger Faktor bei der Regeneration von geschädigten Riffbereichen eine günstig zusammengesetzte Gemeinschaft aus Fischarten. Denn diese Bewohner reinigen das Riff, halten wuchernde Algen in Schach und tragen damit dazu bei, dass Korallen erneut Fuß fassen können. „Die Förderung einer gesunden Fischpopulation kann dazu beitragen, natürliche Erholungsprozesse in Gang zu setzen und dem Schaden entgegenzuwirken, der an vielen Korallenriffen auf der ganzen Welt festzustellen ist“, sagt Gordon.

Doch wie er und seine Kollegen erklären, gibt es dabei ein Problem: Geschädigte Riffe klingen für Jungfische unattraktiv. Denn wenn sie einen Ort suchen, um sich niederzulassen, orientieren sie sich an den typischen Geräuschen einer üppigen Unterwasserwelt. „Gesunde Korallenriffe sind ausgesprochen laute Orte – das Knistern von Krabben, das Knurren von Fischen und weitere Klangelemente bilden eine bunte biologische Geräuschkulisse“, sagt Co-Autor Steve Simpson. „In geschädigten Riffen wird es hingegen gespenstisch leise“.

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So entstand die Idee, die unattraktive Klanglandschaft künstlich etwas aufzuhübschen. Um zu testen, ob sich dadurch der Zuzug von Fischen erhöhen lässt, führten die Forscher Untersuchungen in kürzlich zerstörten Bereichen des Great Barrier Reefs vor Australien durch. Durch Unterwasserlautsprecher beschallten sie dort Testareale mit Aufnahmen von gesunden Riffen und erfassten parallel den Zuzug von Jungfischen. Als Kontrolle dienten vergleichbare Testareale ohne Beschallung.

Soundfile: So klingt ein gesundes Riff, Credit: University of Exeter

Zuzug, wo „schöne Musik“ spielt

Wie die Forscher berichten, zeigte sich ein erstaunlich deutlicher Effekt: Die optimierte Soundkulisse verdoppelte die Gesamtzahl der zuziehenden Fische in den Versuchsarealen und sie siedelten sich dort auch dauerhaft an. Dadurch stieg in diesen Gebieten auch die Artenvielfalt um 50 Prozentund umfasste Fische aus allen Bereichen des Nahrungsnetzes. Wie die Forscher erklären, ist dies wichtig, denn verschiedene Gruppen von Fischen erfüllen unterschiedliche Funktionen in Korallenriffen. „Wenn man Fische an ein totes Riff lockt, wird dies natürlich nicht automatisch wieder zum Leben erweckt, aber die Erholung wird durch sie gefördert, indem sie das Riff reinigen und Raum für das Nachwachsen von Korallen schaffen“, sagt Co-Autor Mark Meekan vom Australian Institute of Marine Science in Perth.

Akustische Maßnahmen, könnten somit zu einem interessanten Element für das Riff-Management auf lokaler Basis werden, sagen die Forscher. „In Kombination mit der Wiederherstellung von Lebensräumen und anderen Erhaltungsmaßnahmen könnte der Wiederaufbau von Fischgemeinschaften auf diese Weise die Wiederherstellung der Ökosysteme beschleunigen“, sagt Co-Autor Andy Radford von der University of Bristol. Abschließend betont er allerdings: „Klar ist jedoch, dass wir uns den grundlegenden Bedrohungen widmen müssen, darunter Klimawandel, Überfischung und Wasserverschmutzung, um diese fragilen Ökosysteme dauerhaft zu erhalten“.

Quelle: University of Exeter, Fachartikel: Nature Communications, doi: 10.1038/s41467-019-13186-2

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