Risiko-Gen für HIV-Infektion - wissenschaft.de
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Risiko-Gen für HIV-Infektion

Eine bestimmte Genvariante bei Menschen erhöht das Risiko einer HIV-Infektion, verzögert aber gleichzeitig das Ausbrechen von Aids. Das fanden amerikanische Forscher in einer Langzeitstudie heraus. Die Variante des Gens kommt bei etwa 40 Prozent der afroamerikanischen Bevölkerung vor. HIV-Infizierte mit diesem Gen haben eine um zwei Jahre längere Lebenserwartung als Infizierte mit der häufiger vorkommenden Variante.

Das Gen enthält die Information für ein Eiweiß, das auf der Oberfläche von roten Blutkörperchen vorkommt und dort als Rezeptor für Signalproteine ? sogenannte Chemokine? arbeitet. Diese Chemokine lösen Entzündungsreaktionen aus, ohne die das Immunsystem nicht funktioniert. Bei der Genvariante ist der DARC genannte Rezeptor funktionsunfähig. Dieser Rezeptor ist auch für die Resistenz gegen den Malariaerreger Plasmodium vivax verantwortlich, der eine selten tödlich verlaufende Form der Malaria auslöst. Diese Genvariante hat sich vermutlich so weit verbreiten können, da sie Schutz vor einem tödlicheren Malariastamm geboten hat, der irgendwann in der Vergangenheit existierte.

HIV bindet über den DARC-Rezeptor an rote Blutkörperchen. Eines der natürlichen Signalproteine, das an den Rezeptor bindet, ist das Molekül CCL5, das die Vermehrung des HI-Virus effektiv unterdrücken kann. Der Rezeptor bindet wie eine Art Schwamm sowohl Chemokine als auch HIV und transportiert diese unter anderem zu den weißen Blutkörperchen, die das Primärziel der Viren sind. Es ist noch nicht ganz klar, wie die DARC-Variante die entgegen gesetzten Effekte von erhöhter Infektionsanfälligkeit und langsameren Ausbrechen der Krankheit bewirkt. Vermutlich sind Patienten mit einem funktionsfähigen Rezeptor anfänglich besser geschützt, denn sie besitzen mehr von dem Chemokin CCL5, das die Vermehrung des Virus vorerst unterdrückt. Einmal infiziert wandelt sich dieser Vorteil in einen Nachteil um, da die Chemokine vermehrt Entzündungen hervorrufen. Das Virus verdrängt immer weiter Chemokine vom Rezeptor und verschlimmert so die Entzündungsreaktionen.

Für individuelle Unterschiede in der Empfänglichkeit von HIV und das Voranschreiten der Krankheit machten Wissenschaftler bislang spezielle Merkmale der Viren verantwortlich. Mit diesem Fund mehren sich nun die Hinweise, dass auch genetische Komponenten der Virenträger für diese individuellen Unterschiede verantwortlich sind. Diese Genvariante stellt einen der wenigen bekannten genetischen Risikofaktoren für HIV dar, die bei der Entwicklung von HIV-Impfstoffen vermehrt beachtet werden sollten, erklären die Wissenschaftler.

Weijing He (Universität von Texas in Houston) et al.: Cell Host & Microbe, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1016/j.chom.2008.06.002 ddp/wissenschaft.de ? Uwe Thomanek
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