Röhrenwürmer werden dank geschickter Wiederaufbereitung ihrer Nahrung bis zu 250 Jahre alt - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Röhrenwürmer werden dank geschickter Wiederaufbereitung ihrer Nahrung bis zu 250 Jahre alt

Gutes Teamwork und ein ausgeklügeltes Recycling-System lassen Röhrenwürmer ein biblisches Alter von bis zu 250 Jahren erreichen. Das schließen amerikanischen Wissenschaftler aus den Ergebnissen einer Computersimulation, in der sie die natürlichen Lebensbedingungen der ungewöhnlichen Tiere nachahmten. Ihre Schlussfolgerung: Die Tiere leiten die Abfallprodukte ihres Stoffwechsels in den Ozeanboden, wo diese eine Vielzahl von Mikroorganismen anlocken. Die Kleinlebewesen nutzen den Abfall als Energiequelle und wandeln ihn dabei wieder in Nährstoffe für die Röhrenwürmer um. Nur auf diese Weise können die Würmer genügend Energie für ihr langes Leben gewinnen, berichten Erik Cordes von der Penn-State-Universität und seine Kollegen in der Fachzeitschrift PLoS Biology (Bd. 3, Nr. 3, S. e77).

Röhrenwürmer haben sich nicht gerade die gemütlichsten Lebensbedingungen ausgesucht: Sie leben in riesigen Gruppen in einer Tiefe von bis zu 1000 Metern auf dem Meeresgrund, wo es kalt und dunkel ist. In dieser Tiefe gibt es zwar praktisch keine natürlichen Feinde für die bis zu drei Meter langen Tiere, aber auch nur sehr wenig Nahrung. Aus diesem Grund ernähren sich die Würmer nicht über ein herkömmliches Verdauungssystem, sondern gewinnen ihre Energie aus Sulfiden, die beim Zersetzen von organischem Material entstehen. Dazu benötigen die Röhrenwürmer jedoch Bakterien, die sie als Gegenleistung in ihrem Körper leben lassen.

Wie die Röhrenwürmer es schaffen, trotz dieser widrigen Lebensumstände ihr hohes Alter zu erreichen, war Wissenschaftlern bislang ein Rätsel. Eine Lösung könnte ein effektives Recyclingsystem sein, stellten die Forscher bei ihrer Simulation fest. Würden die Würmer das bei der Energiegewinnung als Abfall entstehende Sulfat einfach ins Wasser abgeben, könnten sie sich höchstens 39 bis 64 Jahre lang vom Sulfid in ihrer Umgebung ernähren, zeigten die Berechnungen. Anders sieht es jedoch aus, wenn die Würmer ihr Sulfat zurück in den Meeresboden leiten. Dort kann es als Nahrung für andere Bakterien dienen, wird auf diese Weise wieder zu Sulfid recycelt und kann den Würmern erneut als Futter dienen.

Auch wenn viele Beobachtungen die These von Cordes und seinen Kollegen stützen, ist der vorgeschlagene Mechanismus bislang nicht in der Natur nachgewiesen. Die Wissenschaftler hoffen jedoch, mit einer Untersuchung im natürlichen Lebensraum der Tiere das von ihnen vorgeschlagene Szenario bestätigen zu können.

ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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