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Umwelt+Natur

Rückkehr der Buckelwale

Buckelwale
Eine Buckelwalmutter aus dem westlichen Südatlantik mit ihrem Jungen. (Bild: L. Candisani/ Insituto Aqualie)

Gute Nachrichten aus dem Südatlantik: Eine der einst am stärksten dezimierten Populationen von Buckelwalen hat sich seit Ende des kommerziellen Walfangs überraschend gut erholt, wie eine Studie enthüllt. Nachdem in den 1950er Jahren nur noch 450 Tiere dieser Population übrig waren, ist ihr Bestand heute wieder auf knapp 25.000 Buckelwale angewachsen – das entspricht fast wieder dem Stand vor Beginn des Walfangs.

Buckelwale (Megaptera novaeangliae) gehören zu bekanntesten Meeressäugern in unseren Ozeanen. Die bis zu 18 Meter langen Krillfresser kommen in fast allen Meeren vor und legen auf ihren saisonalen Wanderungen hunderte bis tausende Kilometer zurück. Eine der sieben bekannten Populationen von Buckelwalen hält sich im Südwinter vor der Ostküste von Südamerika auf, wo die Tiere sich paaren und ihre Jungen aufziehen. Im Frühjahr wandern diese westsüdatlantischen Buckelwale dann südwärts zu den subantarktischen Sandwich- und South-Georgia-Inseln.

Zehntausende getötete Wale

Gerade diese Buckelwal-Population hat am stärksten unter dem intensiven Walfang des 19. und 20. Jahrhunderts gelitten. „Diese Wale waren das erste große Ziel des kommerziellen Walfangs in der Antarktisregion“, erklären Alexandre Zerbini vom National Marine Fisheries Service in Seattle und seine Kollegen. Als die ersten Walfänger im Jahr 1904 ihre Stationen auf South Georgia einrichteten, töteten sie in kurzer Zeit sehr viele Tiere dieser Buckelwal-Population. Allein in den zwölf Jahren von 1904 bis 1916 starben fast 25.000 Buckelwale. „Insgesamt wurden seit den frühen 1800er Jahren von dieser Population 40.000 bis 60.000 Tiere getötet“, berichten die Forscher. Ein Ende hatte dies erst in den 1960er Jahren mit dem Verbot des kommerziellen Walfangs.

Wie viele westsüdatlantische Buckelwale zu dieser Zeit noch übrig waren und wie sich ihr Bestand seither entwickelt hat, haben nun Zerbini mithilfe neuester Daten, DNA-Analysen und eines Populationsmodells ermittelt. Dafür bezogen sie unter anderem Zählungen von Flugzeugen und Schiffen mit ein, aber auch historische Berichte, Fangzahlen und das Wissen um die Fortpflanzung und Regenerationsfähigkeit dieser Walart.

Fast wieder auf dem alten Stand

Die Auswertungen ergaben: Bevor der Walfang begann, umfasste die westsüdatlantische Population wahrscheinlich rund 27.500 Buckelwale – in etwa das Maximum, das Lebensraum und Nahrungsangebot zuließen. Im Jahr 1958 jedoch, nach mehr als hundert Jahren der intensiven Bejagung, waren nur noch 440 Tiere übrig. „Das deutet daraufhin, dass damals nur noch 1,6 Prozent der ursprünglichen Population existierte, die einst den westlichen Südatlantik bevölkerte“, so die Forscher. Zu einer allmählichen Erholung kam es dann erst ab 1972, nachdem auch der illegale Walfang durch sowjetische Walfänger in diesem Gebiet unterbunden worden war.

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Wie aber sieht es heute aus? Die neuen Zahlen sprechen dafür, dass inzwischen wieder knapp 25.000 Buckelwale im westlichen Südatlantik leben. „Damit hat diese Population wieder fast 93 Prozent ihres ursprünglichen Bestands erreicht“, berichten Zerbini und seine Kollegen. Der strenge Schutz hat es diesen Buckelwalen damit ermöglicht, sich überraschend gut von der enormen Dezimierung durch den Walfang zu erholen. „Der Zustand dieses Bestands ist weit besser als zuvor angenommen“, so die Forscher. „Schon in den nächsten zehn Jahren könnte er wieder sein ursprüngliches Niveau erreichen – vorausgesetzt es gibt keine weiteren Tötungen durch menschengemachte Bedrohungen.“

Nach Ansicht der Wissenschaftler demonstrieren ihre Ergebnisse, dass effektive Schutzbemühungen wirksam sind und eine bedrohte Art vor dem Aussterben bewahren können. „Populationen wilder Tiere können sich von einer Ausbeutung erholen, wenn vernünftige Erhaltungsmaßnahmen unternommen werden“, sagt Zerbini.

Quelle: University of Washington; Fachartikel: Royal Society Open Science, doi: 10.1098/rsos.190368

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