Rückkehr ins "grüne Herz Deutschlands" - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Rückkehr ins „grüne Herz Deutschlands“

Schnappschüsse beweisen es: Der Luchs streift wieder durch den Thüringer Wald. (Foto: Dirk Hirsch)

Rund 200 Jahre lang gab es von ihm keine Spur – nun hat sich der Luchs auch das Waldgebiet im Zentrum unseres Landes zurückerobert: den Thüringer Wald. Den symbolträchtigen Schritt beim Comeback der scheuen Raubkatze dokumentiert der Schnappschuss einer Kamerafalle. Zu verdanken ist dieser Nachweis der Zusammenarbeit von Wissenschaftlern mit einem ortsansässigen Naturschützer.

Er gehört zur ursprünglichen Tierwelt unserer Wälder! Einst umfasste das Reich des Eurasischen Luchses (Lynx lynx) weite Teile Mitteleuropas. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts verschwand die größte europäische Raubkatze allerdings aus den Wäldern: Starke Bejagung und die Zerstörung ihres Lebensraums machten den Raubkatzen in Deutschland und vielen anderen Teilen Europas den Garaus.

Doch erfreulicherweise war das nicht das Ende der Geschichte: Nachdem sich die Lage gebessert hatte, wanderte der Luchs ab etwa 1950 aus angrenzenden Siedlungsgebieten wieder in einige alte Verbreitungsgebiete ein. Außerdem versuchen Naturschützer seit den 1970er Jahren, dem Pinselohr in mehreren europäischen Ländern gezielt ein Comeback zu ermöglichen. Die Wiederansiedlungsprojekte und Schutzmaßnahmen waren auch in Deutschland erfolgreich: So konnte sich der Luchs wieder im Bayerischen Wald sowie im Harz etablieren und die Katzen erwiesen sich auch als erkundungsfreudig: Seit einigen Jahren werden auch in Nordhessen wieder regelmäßig Luchse gesichtet.

In die Fotofalle getappt

Es gab zudem bereits Hinweise darauf, dass sie in den Thüringer Wald eingewandert sein könnten: ein gerissenes Hirschkalb mit Kehlbiss, Kratzspuren im Fell, Spuren im Schnee, eine unklare Sichtung. Der Thüringer Naturschützer Dirk Hirsch versucht seit Jahren eindeutig zu beweisen, dass der Luchs auch wieder durch das „grüne Herz Deutschlands“ streift. Im Sommer 2017 nahm er deshalb Kontakt mit der Forschungsgruppe „Biodiversität und Naturschutz“ des Forschungszentrums iDiv und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg auf.

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Die Forscher stellten Hirsch schließlich zwanzig Kameras mit Bewegungsauslösern zur Verfügung, um ihm zu ermöglichen, seine Überzeugung vom Comeback des Luchses in Thüringen zu beweisen. Mitte Februar 2018 war es dann endlich soweit: Ein Luchs war in die Fotofalle getappt – es gibt nun keinen Zweifel mehr: 200 Jahre nach seiner Ausrottung ist der Luchs zurück im Thüringer Wald. Auf einem Foto ist sogar zu erkennen, wie das Tier mit seinem Urin einen Baum markiert.

Willkommen Luchs!

Die Aufnahmen und Spuren wurden mittlerweile vom Thüringer Landesamt für Umwelt und Geologie bestätigt. Viele Naturfreunde freuen sich nun über die Nachricht von der Rückkehr der charismatischen Raubkatze. So auch Umweltministerin Anja Siegesmund: „Das Engagement vieler Menschen für Wildkatze und Luchs wird nun belohnt – willkommen Luchs!“ Henrique Pereira von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg kommentiert: „Dass der Luchs nach 200 Jahren in den Thüringer Wald zurückgekehrt ist, ist ein toller Erfolg für den Naturschutz. Selbst in unserer dicht besiedelten Landschaft ist so etwas möglich, wenn wir diesen Tieren Lebensraum bieten und bereit sind, die Rückkehr von Wildnis zuzulassen“, so die Wildtierbiologin.

Bisher ist noch nicht genau klar, woher der Luchs stammt. Es könnte sein, dass Bemühungen, grüne Korridore für Wanderungen zu schaffen, Wirkung gezeigt haben: Möglicherweise ist das Tier aus dem Nationalpark Harz oder dem Bayerischen Wald eingewandert, wo sich mittlerweile stabile Bestände entwickelt haben. Falls der Luchs nun tatsächlich auch im Thüringer Wald sesshaft wird, könnte das Gebiet zu einem wichtigen Trittstein bei der weiteren Ausbreitung der Katzen in Deutschland avancieren, sagen die Experten.

Quelle: Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

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