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Umwelt+Natur

Ruhrseen bergen eine überraschende Vielfalt an Saugwürmern

trematodenlarven
Larven verschiedener Trematoden aus Wasserschnecken im Baldeneysee. (Bild: UDE/ AG Sures)

Parasiten sind nicht gerade beliebt, doch sie sind ein wichtiger Teil der Artenvielfalt und der Ökosysteme. Umso erfreulicher ist daher, was Biologen in fünf Stauseen entlang der Ruhr entdeckt haben: Die dort lebenden Wasserschnecken bergen eine überraschend große Vielfalt an Saugwürmern. Diese Parasiten von Fischen und Vögeln zeugen davon, dass die Seen und ihre Ökosysteme in durchaus gutem Zustand sind, wie die Forscher erklären.

In einem fremden Organismus auf dessen Kosten zu leben, ist in der Natur weit verbreitet. Auch der Mensch wird häufig von Parasiten geplagt. Doch trotz ihres eher schlechten Rufs spielen Parasiten eine wichtige Rolle in der Natur: „Sie übernehmen wichtige ökologische Funktionen: So regulieren sie die Populationen von Zwischenwirten und Endwirten und strukturieren das Netz von Nahrungsbeziehungen“, erklärt Seniorautor Bernd Sures von der Universität Duisburg-Essen. „Sie sind Teil der Artenvielfalt und liefern wertvolle Informationen über den Zustand der Gewässer.“

Parasitenfahndung in fünf Ruhrgebiets-Seen

Deshalb haben Sures, sein Kollege Christian Selbach und ihre Team nun die Häufigkeit und Vielfalt von Saugwürmern in fünf künstlich angelegten, miteinander verbundenen Seen näher untersucht. „Dies ist die erste großangelegte Studie der Trematoden-Vielfalt in einem verbundenen Süßwasser-System“, erklären sie. Untersuchungsort waren die entlang der Ruhr aufgestauten Seen Baldeneysee und Hengsteysee sowie die Talsperren Sorpe-, Verse- und Hennetalsperre. Für ihre Studie sammelten die Forscher aus diesen Gewässern insgesamt 5347 Wasserschnecken, denn diese Tiere sind die Hauptwirte für die Larven der Saugwürmer.

„Trematoden sind gleich auf mehrere Wirte angewiesen“, erklärt Sures. „Einen Teil ihres komplizierten Lebenszyklus verbringen sie als Larven in Wasserschnecken und verlassen sie wieder, um in einem anderen Lebewesen – zum Beispiel einem Fisch – weiterzuwachsen. Oft ist auch das nur eine Zwischenstation: Ein Vogel oder ein anderes Tier frisst den Fisch und wird dann von den Saugwürmern befallen. Die Wurm-Eier werden später über den Kot des Endwirts ausgeschieden. Der Kreislauf kann von Neuem beginnen.“ Weil aber die Wasserschnecken für alle Saugwürmer die erste Station sind, geben sie den besten Einblick in die Häufigkeit und Artverteilung dieser Parasiten in einem Gewässer.

36 verschiedene Trematodenarten

Die Auswertung ergab: Von den gut 5000 Wasserschnecken waren mehr als 1000 von Saugwurmlarven befallen. Insgesamt identifizierten die Forscher 36 verschiedenen Trematodenarten aus neun Familien – eine überraschend große Vielfalt: „Das ist eine erheblich größere Diversität in Wasserschnecken als in den meisten anderen bisher untersuchten Süßwassersystemen gefunden wurde“, berichten Selbach und seine Kollegen. „Diese hohe Artenvielfalt steht in starkem Kontrast zudem in der Literatur beschriebenen.“ Mit Abstand am meisten Saugwürmer fanden die Forscher dabei in der Ohrschlammschnecke (Radix auricularia), sie beherbergte 23 verschiedene Arten von Trematoden und auch zahlenmäßig am meisten Parasitenlarven. „Das stützt die Annahme, dass Radix auricularia in größeren Seen der wichtigste Trematoden-Wirt unter den Wasserschnecken ist“, so die Forscher.

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Nach Ansicht der Wissenschaftler ist die hohe Vielfalt der Saugwürmer in den Ruhrseen durchaus ein Grund zur Freude. Denn sie deute darauf hin, dass diese Gewässer in gutem Zustand seien. „Ein gesundes Ökosystem ist reich an Parasiten“, erklärt Sures. Gleichzeitig unterstreiche dieses Ergebnis, dass Parasiten wie die Saugwürmer einen wichtigen, aber oft übersehenen Teil der irdischen Artenvielfalt ausmachen. „Oft sind sie im Verborgenen zu finden – direkt vor unserer Tür in den Stauseen und Talsperren der Ruhr“, so die Forscher.

Quelle: Universität Duisburg-Essen; Fachartikel: Scientific Reports, doi: 10.1038/s41598-020-59548-5

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