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Salzwasser gegen Alkohol: 1:1

Mit einem mit Salzwasser befeuchteten Tuch lassen sich Kunststoffoberflächen genauso wirkungsvoll von Bakterien befreien wie mit Desinfektionstüchern. Einzige Voraussetzung: Man muss mindestens dreimal über die Oberfläche wischen. Das haben kanadische Wissenschaftler bei einer Studie entdeckt, in der sie testeten, welche Desinfektionstücher das beste Ergebnis erzielten. Die Forscher raten daher allen Menschen, die im Krankhaus arbeiten, kontaminierte Kunststoffgegenstände nicht nur flüchtig, sondern gründlich abzuwischen und dabei entweder ein Salzwasser- oder ein handelsübliches Desinfektionstuch zu verwenden. Bleibt für die gründliche Säuberung keine Zeit, sollten dagegen keine Salzwassertücher benutzt werden – Desinfektionstücher mit Alkohol oder Bleichmitteln schneiden in diesen Fällen besser ab, berichten die Wissenschaftler.

Krankenhäuser können zu einer Brutstätte unterschiedlichster Keime werden, wenn das Personal nicht ständig darauf bedacht ist, die Hygienevorschriften penibel einzuhalten. Hin und wieder kommt es daher vor, dass Gegenstände wie Telefonhörer oder Mobiltelefone mit krankheitserregenden Bakterien kontaminiert werden. Um herauszufinden, wie Plastikoberflächen am besten von derartigen Keimen befreit werden können, testeten Andrea Berendt und ihre Kollegen unterschiedliche Desinfektionstücher.

Dazu kontaminierten die Forscher Kunststoff-Petrischalen mit vier typischen Krankenhauskeimen und ließen diese Kulturschalen anschließend trocknen. Dann wischten sie entweder ein-, drei- oder fünfmal für jeweils ein bis zwei Sekunden gleichmäßig über die bakterienverseuchten Oberflächen. Diesen Test führten sie mit fünf unterschiedlichen Tüchern durch: Eines von ihnen war lediglich mit Salzwasser getränkt, während es sich bei den anderen vier um handelsübliche Desinfektionstücher mit unterschiedlichen Wirkstoffen wie Alkohol, quartären Ammoniumverbindungen oder Wasserstoffperoxid handelte.

Anschließend trockneten die Wissenschaftler die Plastikschalen für zehn Minuten. Um zu analysieren, wie viele Keime trotz Desinfektion überlebt hatten, spülten sie diese Schalen nach dem Trocknen mit einer speziellen Flüssigkeit aus, um die verbliebenen Bakterien aufzufangen. Diese Lösungen gaben sie daraufhin auf Nährböden, um die Keime in den nächsten 24 Stunden zum Wachsen zu bringen. Schließlich zählten die Forscher die einzelnen Bakterienkolonien.

Das Ergebnis: Öfter wischen lohnt sich. Waren die Wissenschaftler dreimal mit den feuchten Tüchern über den Kunststoff gegangen, hatten sie auf diese Weise 88 Prozent mehr Keime entfernt als mit einer einmaligen Desinfektion. Das galt sowohl für die üblichen Desinfektionsmittel als auch für das Salzwasser. Fünfmal Wischen brachte dagegen keinen zusätzlichen Nutzen. Wer sich also die Mühe macht, mindestens dreimal zu wischen, kann ebenso gut ein mit Salzwasser befeuchtetes Tuch wie eines mit einem Desinfektionsmittel verwenden, leiten die Forscher daraus ab. Wischt man jedoch nur einmal über eine kontaminierte Plastikoberfläche, sind die Desinfektionstücher wesentlich wirkungsvoller als das salzhaltige Wischtuch.

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Andrea Berendt (University of Alberta, Edmonton) et al: American Journal of Infection Control, doi: 10.1016/j.ajic.2010.08.014 dapd/wissenschaft.de – Peggy Freede
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