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Satelliten spüren gestrandete Wale auf

Gestrandeter Wal
Gestrandeter Seiwal und Satellitenaufnahme eines gestrandeten Wals. (Bild: BAS/ Maxar Technologies)

Immer wieder kommt es vor, dass Wale einzeln oder in großen Gruppen an Küsten stranden und sterben. Warum, ist bisher rätselhaft – auch weil viele dieser Ereignisse nicht oder zu spät bemerkt werden. Deshalb haben Forscher nun untersucht, ob sich hochauflösende Satellitenbilder zum Aufspüren von gestrandeten Walen eignen. Es zeigte sich: Die Meeressäuger lassen sich aus dem All aus erkennen und von ähnlich geformten Objekten unterscheiden.

Es ist eines der größten Rätsel der Tierwelt: Viele Walarten navigieren jedes Jahr tausende von Kilometern weit zielsicher durch die Weiten der Weltmeere. Dann plötzlich schwimmen die Meeressäuger in kleine Buchten oder auf flache Sandstrände zu und stranden dort. Immer wieder verenden bei solchen Walstrandungen Dutzende oder sogar mehr als hundert von Walen auf einmal.

Ursachen der Strandungen rätselhaft – auch aus Mangel an Daten

Was aber ist der Grund für diese Massenstrandungen von Walen? Bisher gibt es auf diese Frage keine eindeutige Antwort. Die Hypothesen reichen von Vergiftungen mit Algentoxinen, Schwermetallen oder Pestiziden, über den Lärm von Schiffsverkehr, Ölbohrungen und akustischen Waffen bis zu Schwankungen im Magnetfeld der Erde oder ungewöhnlichen Strömungen. Keine von ihnen hat sich aber bisher als schlüssige Erklärung für alle Massenstrandungen erwiesen. Erschwerend kommt hinzu, dass zwar Zahnwale wie Grindwale, Schweinswale und Pottwale besonders häufig betroffen sind, aber auch Massenstrandungen von Furchenwalen wie Seiwalen (Balaenoptera borealis) kommen vor.

Ein Problem bei der Erforschung der Ursachen für dieses Phänomen ist das Auffinden der gestrandeten Wale. Zwar werden die Meeressäuger schnell bemerkt, wenn sie an stark besuchten Stränden auflaufen, doch viele dieser Strandungen finden an entlegenen, menschenleeren Küstenabschnitten statt. Diese Fälle werden dadurch manchmal gar nicht entdeckt – oder erst nach Wochen. Ein solcher Fall ist eine Massenstrandung von mehr als 340 Seiwalen im Jahr 2015 entlang der patagonischen Küste im Süden Chiles. „Das war die größte Massenstrandung von Furchenwalen, die je dokumentiert worden ist“, erklären Peter Fretwell vom British Antarctic Survey und seine Kollegen. Dennoch wurde dieses Ereignis erst Wochen später durch Zufall von einer Wissenschaftlergruppe entdeckt.

Satelliten als Aufspürhilfen?

Was aber kann man tun, um Walstrandungen künftig schneller und vollständiger zu erkennen? Fretwell und sein Team haben dafür eine mögliche Lösung entwickelt. In ihrer Studie untersuchten sie, ob gestrandete Wale auf hochauflösenden Satellitenbildern zu erkennen sind – und ob man sie gut genug beispielsweise von Holzstämmen, Booten unterscheiden kann. Dafür nutzten sie zwei Satellitenbilder des Very High Resolution (VHR) Satelliten von Maxar Technologies, auf denen die Seiwalstrandung in Patagonien zu sehen waren.

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Die Analysen ergaben: Die Wale waren auf den Aufnahmen nicht nur deutlich erkennbar, ihr Spektrum unterschied sich auch signifikant von dem von Holzstämmen oder Wellenformationen. „Die starke Reflexion in den roten und grünen Nahinfrarotbändern kann demnach genutzt werden, um gestrandete Wale von potenziell ähnlichen Störfaktoren zu unterscheiden“, sagen Fretwell und seine Kollegen. „Obwohl diese Objekte eine ähnliche Form haben, besitzen sie andere spektrale Merkmale.“ Nach Ansicht der Forscher könnten Satellitenaufnahmen daher durchaus eine Chance sein, künftig Walstrandungen besser aufspüren zu können. Auf Basis ihrer Erkenntnisse haben sie bereits ein Computerprogramm entwickelt, das Wale automatisch auf solchen Satellitenbildern erkennen kann.

„Während sich diese neue Technologie weiterentwickelt, hoffen wir, dass es ein nützliches Werkzeug für Echtzeit-Information über Walstrandungen werden kann“, sagt Fretwells Kollegin Jennifer Jackson. „Das könnte es den Behörden ermöglichen, schneller zu reagieren und so möglicherweise zur Rettung der Wale beitragen.“ Gleichzeitig liefern solche Daten den Forschern ein vollständigeres Bild über Ausmaß und Verteilung der Walstrandungen weltweit.

Quelle: British Antarctic Survey; Fachartikel: PLoS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0222498

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