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Tierische Intelligenz

Sau schlau: Schweine am Joystick

Schweine können lernen, mit der Schnauze einen Joystick zu benutzen. (Bild: Eston Martz / Pennsylvania State University)

Videospieler mit Schnauze: Erneut haben die Schweine ihre hohe Intelligenz unter Beweis gestellt. Sie sind in der Lage, mit ihrer Schnauze einen Joystick zu bedienen und dadurch Aufgaben an einen Bildschirm zu lösen, zeigt eine Studie. Demnach begreifen Schweine den abstrakten Zusammenhang zwischen der Bewegung des Steuergeräts und des Cursors. Dies verdeutlicht, wie hochentwickelt diese Tiere sind, die meist nur wegen ihres Nutzens beachtet werden, sagen die beiden Autorinnen.

Dass Schweine alles andere als dumm sind, haben frühere Studien bereits eindrucksvoll gezeigt. Die kognitiven Fähigkeiten von Sus scrofa lassen sich demnch mindestens mit denen von Hunden vergleichen: Hausschweine können ähnlich wie unsere „besten Freunde“ die Bedeutung von Kommandos wie „Komm“ und „Sitz“ erlernen und zeigen darüber hinaus komplexe Verhaltensweisen sowie Abstraktionsvermögen. Beispielweise können sie Spiegel nutzen, um verstecktes Futter in einem Gehege zu finden. Jedes Tier besitzt zudem eine ausgeprägte Persönlichkeit, haben Untersuchungen verdeutlicht.

Candace Croney und Sarah Boysen von der Purdue University in West Lafayette haben nun das kognitive Potenzial der Schweine weiter ausgelotet. Sie wollten herausfinden, inwieweit die Tiere eine Aufgabe meistern, bei der bereits Primaten ihre kognitiven Fähigkeiten unter Beweis gestellt haben: den Einsatz eines Computer-Joysticks. Mit ihren geschickten Händen und der Fähigkeit zur Abstraktion sind Affen recht gut in der Lage, die Funktion dieses Geräts in Kombination mit den Effekten auf einem Bildschirm zu begreifen und Aufgaben zu lösen. Gelingt das auch Schweinen durch den Einsatz ihrer Schnauzen bei der Steuerung?

Schnauzen statt Hände am Joystick

An der Studie nahmen „Hamlet“ und „Omelette“ teil – zwei Schweine einer Nutztierrasse. Außerdem traten die beiden Minischweine „Ebony“ und „Ivory“ bei den Versuchen an. Alle Tiere erlernten durch Belohnungen zunächst, einen Joystick vor einem Computermonitor zu bewegen. Danach versuchten die Wissenschaftlerinnen den Tieren die eigentliche Aufgabe zu vermitteln: Sie sollten den Cursor durch die Bewegung des Joysticks auf bis zu vier Zielwände auf dem Bildschirm steuern. Bei Erfolg ertönte ein Geräusch und die Schweine bekamen einen Leckerbissen.

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Wie die Forscher berichten, zeichnete sich bei allen vier Schweinen am Ende des Trainings ab, dass sie begriffen hatten, um was es geht: Ihre Erfolge waren nicht nur Zufälle, zeigten die Auswertungen. Dass die Schweine nicht das Niveau von Primaten erreichten, lag den beiden Forscherinnen zufolge vermutlich daran, dass sie mit ihren Schnauzen einen Joystick nicht so geschickt bedienen können wie Affen mit ihren Händen. Außerdem sind Schweine bekanntermaßen weitsichtig. Doch das Wichtige ist, dass auch diese Tiere offenbar das Prinzip erfassen, betonen Croney und Boysen. „Es ist eine bemerkenswerte Leistung für ein Tier zu verstehen, dass sein eigenes Verhalten eine Auswirkung auf einen Effekt an einem Bildschirm hat“, sagt Croney. „Dass Schweine dazu in der Lage sind, sollte uns zu denken geben, was sie sonst noch lernen und erfassen können“.

Mehr Respekt angesagt

Wie die beiden Wissenschaftlerinnen weiter berichten, spiegelte sich in ihren Experimenten auch wider, das Schweine soziale Lebewesen sind und Interaktionen große Bedeutung für sie haben – das gilt auch für die Kontakte mit dem Menschen. Die Versuchstiere entwickelten demnach auch Lernerfolg und Ausdauer bei den Experimenten, wenn es nur um Lob ging anstatt um eine Futterbelohnung, berichten die Wissenschaftlerinnen.

„Wie bei allen empfindsamen Lebewesen, ist es auch im Fall der Schweine wichtig, auf welche Weise wir mit ihnen umgehen“, sagt Croney. Wir haben eine ethische Verpflichtung zu beachten, was in diesen Tieren vorgeht, ist die Forscherin überzeugt. „Die Verbesserung des Tierwohls in der Massentierhaltung ist ein wichtiges Ziel, aber wir sollten die Schweine auch abgesehen von ihrem Nutzen für uns wertschätzen“, so die Wissenschaftlerin.

Quelle: Frontiers, Fachartikel: Frontiers in Psychology, doi: 10.3389/fpsyg.2021.631755

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