Scharnierschildkröten gewinnen 50.000 Euro - wissenschaft.de
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Scharnierschildkröten gewinnen 50.000 Euro

Eine Goldkopf-Scharnierschidlkröte schlüpft im Internationalen Zentrum für Schildkrötenschutz Münster. (Credit: obs/Verband der Zoologischen Gärten (VdZ)/IZS)

Tierschutz ist den Menschen durchaus etwas wert! Die Kampagne „Zootier des Jahres“ hat 2018 über 50.000 Euro für den Schutz der Scharnierschildkröten eingebracht. Die Mittel kommen nun zwei Projekten zu Gute, die der Rettung der asiatischen Sorgenkinder gewidmet sind. So können nun mehr als 100 Scharnierschildkröten in ihrem ursprünglichen Lebensraum ausgewildert werden.

Seit 2016 macht die Artenschutzkampagne auf bedrohte Arten aufmerksam und ruft zu Spenden für Projekte zum Schutz des „Zootiers des Jahres“ auf. Für 2018 hatte die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e. V. (ZGAP) eine Tiergruppe ausgewählt, deren Bedrohung bisher kaum Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erlangt hat: die Scharnierschildkröten. Einige dieser asiatischen Reptilien sind im Freiland bereits ausgerottet oder nur noch in geringen Beständen vorhanden. Der Lebensraumverlust, besonders aber der Handel als Nahrungsmittel oder als Medizin machen den 13 Scharnierschildkröten-Arten zu schaffen. Fast alle stehen kurz vor der Ausrottung oder sind aus ihren natürlichen Lebensräumen schon völlig verschwunden. Um den Verlust dieser Tiere zu verhindern, hatte das Komitee im Januar die Scharnierschildkröte zum Zootier des Jahres 2018 gewählt.

Erfolg für den Artenschutz

Nun ziehen die Initiatoren eine erfreuliche Bilanz: Die Kampagne hat mehr als 50.000 Euro Spendengelder eingebracht. Diese Mittel kommen nun zwei Projekten zu Gute, die sich um die Rettung der Schildkröten und ihre Rückkehr in die Natur bemühen: dem Internationalen Zentrum für Schildkrötenschutz in Münster und dem Angkor Centre for Conservation of Biodiversity (ACCB) in Kambodscha. „Wir sind sehr froh, dass wir so viele Spenden einwerben konnten“, sagt Sven Hammer von der ZGAP. „Jetzt drücken wir die Daumen, dass die Auswilderungen in Kambodscha gelingen werden.“

Das Internationale Zentrum für Schildkrötenschutz in Münster hat in den vergangenen Jahren Scharnierschildkröten erfolgreich aufgezogen. Mit den Spendengeldern der Kampagne werden nun dringend benötigte Gehege für die Aufzucht und Haltung dieser anspruchsvollen Tiere finanziert. Darunter sind auch Arten, die im Freiland bereits als ausgerottet gelten – wie die Goldkopf-Scharnierschildkröte und die Zhous-Scharnierschildkröte.

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Zweite Chance in der Natur

Im Angkor Centre for Conservation of Biodiversity werden ebenfalls-Scharnierschildkröten aufgezogen und die Freisetzungs-Projekte konzipiert. Damit die Auswilderung in einem gut geschützten Gebiet möglichst erfolgreich sein kann, wird über die Spendengelder der „Zootier des Jahres“-Kampagne teure Telemetrie-Ausrüstung beschafft. Über die Sender, mit denen man die ausgewilderten Tiere ausrüstet, können die Wissenschaftler sie verfolgen und auf diese Weise mehr über die Lebensraumnutzung lernen. „Diese Studien sind dringend notwendig, um den Erfolg von Wiederansiedlungen zu erhöhen. Es wäre zum Beispiel fatal, wenn wir zu viele Schildkröten an einem Platz ausbringen würden“, sagt Hammer. „Wir wollen sicherstellen, dass sich die Arten wieder in ihrem natürlichen Lebensraum etablieren können.“

Die besondere Herausforderung bei der Nachzucht von Scharnierschildkröten ist: Sie benötigen je nach Art sechs bis 14 Jahre bis sie die Geschlechtsreife erreichen. Nach der Paarung legt ein Scharnierschildröten-Weibchen dann nur ein bis sechs Eier ab. Dennoch ist es in den beiden Projekten gelungen, zusammen 104 Jungtiere verschiedener Scharnierschildkrötenarten bis zum Schlupf zu bringen.

Mit den Spendengeldern sind die beiden Erhaltungszuchtprojekte nun dafür gerüstet, sich weiter dem Kampf gegen das Verschwinden der Scharnierschildkröten zu widmen und auf diese Weise langfristig ihr Überleben zu sichern, freuen sich die Initiatoren. Sie hoffen nun, dass weitere Kampagnen ebenfalls so erfolgreich sein werden. Das neue „Zootier des Jahres“ wird am 17. Januar 2019 in Berlin verkündet werden.

Quelle: Verband der Zoologischen Gärten (VdZ)

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